Donnerstag, 14. April 2011

Die Gnosis von Ostern


Ostern wird am Anfang des Christlichen Kalenders gefeiert, und zwar in Erinnerung an die Auferstehung von Jesus nach seiner Kreuzigung. Im Westen wird Ostern jeweils am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, also nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche (zwischen 21. März und 25. April) zelebriert.
Dieser Heilige Tag ist in Wahrheit viel älter als das Christentum selbst. Der Name „Ostern“ kann vom altgermanischen „Ostara“ abgeleitet werden, im angelsächsischen ist es Eastre oder Eostre, die Göttin des Frühlings, der Fruchtbarkeit und der aufgehenden Sonne. Ihr Name ist wiederum eine Ableitung vom Namen Ishtar, der babylonischen und assyrischen Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit.
In ganz Europa wurden Rituale und Opergaben gefeiert in Erinnerung an die Veränderungen der Natur vom Tod (dem Winter) hin zum Leben (dem Frühling). Diese heidnischen antiken Traditionen wurden also allmählich von den evangelisierenden christlichen Bewegungen absorbiert, obwohl die Bewegungen der Sonne in ihrem triumphierenden Marsch zu den Himmeln schon immer weltweit und in den verschiedensten mystischen Traditionen kultisch verehrt wurde.
Der spirituelle Wert von Ostern spiegelt sich in den Mythen und Traditionen vieler Kulturen und Religionen wider, welche alle zusammen eine gemeinsame esoterische Wurzelweisheit beinhalten: den Triumph des Christus über das Ego des reumütigen Suchenden.
Um die Feier noch tiefgründiger zu verstehen, müssen wir vorher mehr über Christus erfahren.

Christus

Der Begriff Christus wird abgeleitet von krestos, was in der Hermetik Feuer bedeutet. Christus ist eine Art Energie. Eine Energieform welche sich im menschlichen Wesen inkarnieren kann. All jene, welche dieses heilige Geschenk bekommen, können „Christus“ genannt werden. Dieses Christusprinzip wird in den verschiedensten Religionen dargestellt.
„Christus ist Ormus oder Ahura-Mazda bei den Persern, der wiederum die Antithesis von Ahriman (Satan) darstellt. Christus ist Vishnu im Heiligen Land der Veden. Er ist der Zweite Logos, eine sublime Emanation von Brahma, dem Ersten Logos. Der Avatar Krishna ist der hinduistische Jesus. Das Evangelium dieses Meisters gleicht jenem des göttlichen Rabbis von Galiläa. Fu-Ji ist der Kosmische Christus bei den alten Chinesen, jener der das berühmte I-Ging, das Buch der Gesetze, verfasste und der die Drachenminister zum Wohle der Menschheit ernannte. Osiris war tatsächlich der Christus des sonnigen Landes Khem, dem Land der Pharaonen, und jeder der Ihn inkarnierte war ein Osirifizierter. Quetzalcoatl ist der mexikanische Christus, der nun im Fernen Thule weilt.“
Samael Aun Weor, Die Drei Berge

Der Christus wird weithin durch die Sonne, dem Lebensspender, dargestellt. In der Kabbala sprechen wir vom Christus als den Solaren Logos, jener Sonne, welche den Baum des Lebens erleuchtet.
Im Westen inkarnierte Jesus von Nazareth, dessen eigentlicher Name Jeshua Ben Pandira war, den Christus in sich. Er wurde zum Sohn der Sonne, zum Licht der Welt selbst. Er lehrte wie man den Weg geht, so wie er ihn selbst gegangen ist. Dies fasste er in folgender Weise synthetisch zusammen:

Wer mir (dem Kosmischen Christus) will nachfolgen, der verleugne sich selbst (seine Begierden) und nehme sein Kreuz auf sich (der Alchemie) und folge mir nach (durch Opfer für Andere). - Markus 8:34

Diese drei Schritte sind dieselben Drei Faktoren zur Revolution des Bewusstseins.
Sich selbst zu verleugnen bedeutet gegen die eigennützigen, egoistischen Begierden die unseren Geist erfüllen vorzugehen. Diese Begierden müssen sterben damit der Christus in uns eintauchen kann. Solange wir unvollkomen sind werden wir getrennt von Ihm verweilen.
„Sei deswegen vollkommen, so wie auch dein Vater im Himmel vollkommen ist“ – Matthias 5:48
Dies ist eine Lehre die wir in allen grossen Religionen wiederfinden, nämlich der Verweis auf die Notwendigkeit einer psychologischen Arbeit an uns selbst, um so Reinheit im Herzen und im Geiste zu erreichen.
Das Kreuz auf sich zu nehmen, bedeutet die Arbeit mit dem Heiligen Kreuze, dieselbe Arbeit der Heiligen Alchemie zu beginnen. Dieses fantastische und allumfassende Symbol des Kreuzes repräsentiert das Herz der Lehre eines jeden wahren Mystizismus. Das Kreuz wird durch das Vereinen des Mannes mit der Frau im heiligen Sexualakt geformt, so wie es Jehovah Elohim in seinen Lehren im Garten Eden symbolisch erklärt.
Ihm nachzufolgen bedeutet sich selbst für das Wohl Anderer aufzuopfern, so wie es die Christifizierten immer taten: der Menschheit in Liebe, in Mitgefühl, mit grosser Willenskraft und immer gemäss der Göttlichen Gerechtigkeit zu dienen.
Um diese sublime Ehre zu erfahren, um den Inneren Christus zu inkarnieren, muss das menschliche Wesen natürlich dementsprechend vorbereitet sein. Diese Vorbereitung wird durch das Kosmische Drama der Initiation oder Einweihung, durch diese verschiedenen Ereignisse die im Leben von Jesus von Nazareth genauso wie im Leben von Quetzalcoatl, Krishna, Odin, uvm. zu finden sind, repräsentiert. In jeder einzelnen dieser Geschichten spielt das Kreuz eine zentrale Rolle.

Das Frühlings-Äquinoktium

Äquinoktium: Schnittpunkt der Ekliptik mit dem Himmelsäquator; der Zeitpunkt, an dem für alle Orte auf der Erde Tag und Nacht gleich lang sind.
Äquinoktium ist ein lateinisches Wort und hat seine Wurzeln in aequus, was gleich bedeutet, und nox, was Nacht bedeutet. Das Frühlings-Äquinoktium findet um den 21. Und 22. März statt, wenn die Länge des Tageslichts und die Länge der Nacht genau zwölf Stunden beträgt. An diesem Tag wird dann die Frühlingstagundnachtgleiche gefeiert.
In den vedischen Traditionen gibt es den „Chaitra Vishu Tag“, oder den Eröffnungstag der zweiwöchigen Phase des zunehmenden Mondes, an dem der Tradition nach Brahma (der Vater oder Erster Logos) die Welt erschaffen hat. Dieses Datum markiert den Beginn des Neuen Vedischen Jahres (deswegen ist er auch als yugadhi bekannt, dem Beginn eines neuen Yugas.
Die Babylonier begannen ebenfalls ihr neues Jahr an diesem Tag.
Zur Zeit des Frühlings-Äquinoktiums findet an der Kukulkanpyramide in Chichen Itza, Yucatan-Mexiko, ein besonderes Schauspiel statt. Verursacht durch den Sonnenlauf erscheint ein Schatten einer heiligen Schlange und kriecht die Pyramide hinunter.

Am selben Tag war es auch, als Sri Ramachandra, der Solare Held des Ramayana, seinen siegreichen Einzug in Ayodhya feierte, nachdem er die dämonischen Kräfte zerstört hatte; er wurde dort an diesem Tag gekrönt. Das ist der symbolische Triumph des Eingeweihten über sein eigenes Ego, das ist das selbe Ereignis, welches in der christlichen Tradition durch den psychologischen Tod des Eingeweihten am Heiligen Kreuz dargestellt wird.
Gnostiker verstehen im Äquinoktium oder der Heiligen Osterwoche den Beginn der Initiation, der Einweihung durch das Kreuz der Sexualmagie, dem wahren Beginn der Entwicklung unseres inneren Christusprinzips innerhalb unserer dichten Form des physischen Körpers.
Psychologisch gesprochen verkündet der Solare Logos (durch das Frühlings-Äquinoktium) den Eintritt des Christuslichtes in die Seele eines menschlichen Wesens, welches die hohe Symbolik im Evangeliums-Mythos erkennt und durch die Kraft der Sexualmagie gemeinsam mit Ihm als Sonnenheld in die Himmel zurückkehrt.

Quelle: gnosticteachings.org
by Ludwig Pichler

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