Auch wenn der Begriff Philosophie aus dem Griechischen stammt, haben doch alle Urvölker der Welt dieses ganzheitliche Verständnis der Schöpfung und ihrer Gesetzmässigkeiten fortschrittlich studiert und experimentiert. Philosophie selbst bedeutet zu Hinterfragen um Orientierung zur Erfoschung der jeweiligen Angelegenheit zu bekommen und dadurch zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Vom rein rationalen Standpunkt aus kann jeder Mensch, der geschult wurde sein Gehirn zu benutzen auch Philosoph sein, solange er seine Wahrnehmungsfähigkeiten beständig kultiviert und weiterentwickelt. Weiter ausholend erinnern wir auch an die Bedeutung des Wortes Philosophie als Liebe zur Weisheit, oder mehr noch innerhalb der persischen und aramäischen Gnostiker als Liebe zur Seele selbst. Die wahre Philosophie ist ein ganzheitliches Wissen über die Mysterien des Lebens, welche alle Wissenschaften, Künste und mystischen Traditionen miteinschliesst, ohne jedoch dabei auf das demonstrative Argument zu vergessen, ohne sektiererisch oder in trennender bekehrungseifriger Haltung zu agieren.
Der Begriff hermetisch bezieht sich auf ein Wissen, welches von Hermes stammt, jenem Hermes, der den Gott Merkur symbolisiert, den Gesandten des Solaren Logos. In Ägypten kannte man einen Eingeweihten mit Namen Hermes Trismegistos, der die ersten Prinzipien der hermetischen Philosophie der Neuzeit beschrieb. Da sich diese Gesetze der Sphäre der rationellen Logik entziehen, lehrte Hermes diese Weisheiten nur innerhalb der Mysterienschulen bzw. anderen sogenannten Eingeweihten. Deshalb ist heutzutage der Begriff Hermetik oder hermetisch gleichzusetzen mit dem der wahren Esoterik oder esoterisch – also ein Wissen, das nur einer ausgewählten Menge zugänglich ist. Die Hermetische Philosophie ist universell und identifiziert sich mit keiner der verschiedenen metaphysischen, religiösen oder wissenschaftlichen Strömungen im Speziellen.
Die Methodik der Hermetischen Philosophie ist hauptsächlich von intuitiver-experimenteller Natur ohne dabei die logischen Prozesse auszuschliessen. Sie legt besonderen Nachdruck auf die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Suche im eigenen Inneren, um dort das ganzheitliche göttliche Wesen zu entdecken – das hehre Sein der Philosophie.
Gemäss den Entdeckungen der Hermetischen Philosophie manifestiert sich die Wahrheit, die Wirklichkeit, innerhalb von sieben grundlegenden Prinzipien:
Das erste Prinzip ist jenes des universellen Geistes, es ist das Prinzip der Geistigkeit - “Alles ist Geist, das All ist Geist, das Universum ist geistig.” Hier kommt man zur Erkenntnis, dass Materie und Energie nichts anderes als unterschiedliche Verdichtungen von demselben All-Einen darstellen. Ein Prinzip das mittlerweile von der Atomphysik bzw. der Quantenphysik unterstützt wird.
Im zweiten Prinzip finden wir die Gesetzmässigkeit der Analogien oder Entsprechungen. “Wie oben, so unten, wie unten so oben.” Wenn wir das Bekannte studieren, entdecken wir das Unbekannte. Ein Prinzip, welches in jeder Weisheitslehre integriert wurde: z.B. bei den gnostischen Freimaurern verwendete man diese Gesetze der Konstruktion um die Erbauung des inneren Tempels zu symbolisieren, in gleicher Weise wie man die Konstruktion des inneren Tempels in der äusseren Architektur vorfand.
Polarität ist das dritte Prinzip. „Alles ist zweifach, alles hat zwei Polaritäten; alles hat seine zwei Gegensätze; Gleich und Ungleich ist dasselbe. Gegensätze sind ihrer Natur nach identisch, nur in ihrer Ausprägung verschieden; Extreme begegnen einander; alle Wahrheiten sind nur Halb-Wahrheiten; alle Paradoxa können in Übereinstimmung gebracht werden.“ Die Relativität der Schöpfung wurde schon vor Urzeiten von den Philosophen erkannt und deswegen vermieden sie jedwede Ausformung von Dogmen. Polarisiert zu sein bedeutet nur eine Seite des Phänomens zu erkennen. Die Gesamtheit zu sehen bzw. zu erkennen bedeutet dieses Prinzip zu beherrschen.
Das vierte Prinzip der Wahrheit spricht von der Vibration oder Schwingung. „Nichts ruht; alles ist in Bewegung; alles schwingt.“ Nichts befindet sich im Stillstand innerhalb der gesamten Schöpfung, vom Himmel bis zur Hölle existieren nur verschiedene Verdichtungen dieser Schwingungen, welche sich je nach Affinität mit unserer eigenen inneren Schwingung annähern oder abstossen. Aus diesem Grund sucht der gnostische Freimaurer die Entwicklung der maximalen sublimen Schwingung anhand des praktizierten selbstlosen Mitgefühls.
Der Rhythmus als fünftes Postulat verweist auf folgendes: „Alles fließt – aus und ein; alles hat seine Gezeiten; alles hebt sich und fällt, der Schwung des Pendels äußert sich in allem; der Ausschlag des Pendels nach rechts ist das Maß für den Ausschlag nach links; Rhythmus gleicht aus.“ Der Rhythmus bringt die gegensätzlichen Polaritäten in einem bestimmten Raum und zu vorgegebener Zeit hervor. Nichts kann diesem ewigen Rhythmus entkommen. Nur jemand der lernt denselben Rhythmus zur Neutralisierung der Gegensätze zu verwenden, indem er sich in einem permanenten Zentrum des Bewusstseins befindet, transzendiert diese Gesetzmässigkeit.
Das sechste Prinzip der Kausalität ist bereits populär, es ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. „Jede Ursache hat ihre Wirkung; jedes Phänomen hat seine Ursache; alles geschieht gesetzmäßig; Zufall ist nur ein Begriff für ein unerkanntes Gesetz; es gibt viele Ebenen von Ursachen, aber nichts entgeht dem Gesetz.“ Dieses Postulat ist viel exakter als das neuzeitlich beworbene Prinzip der Attraktion oder Anziehung, indem nur die mentale Ebene der Gedanken berücksichtigt wird. Im Gesetz von Ursache und Wirkung weiss man, dass der Zufall als solcher nicht existiert und dass jede Handlung, Gedanke, Emotion oder Absicht uns direkt mit seiner Auswirkung verbindet. Zweifellos muss es eine Beziehung zwischen allen menschlichen Funktionen geben, nicht nur auf rein gedanklicher Ebene.
Das siebte und letzte grundlegende Prinzip der Wahrheit ist als das Schöpferische Prinzip bzw. das des Geschlechts bekannt: „Zeugung und Geschlecht existiert in allem; alles trägt sein männliches und sein weibliches Prinzip in sich; Geschlecht und Zeugung offenbart sich auf allen Ebenen.“ Wir stellen fest, dass hier das Gesetz der Drei (Dreifaltigkeit) bzw. jenes des tantrischen Wissens beinhaltet ist, dessen kostbarste Lehre der Schlüssel zur Schöpfung und Neugeburt der verlorenen Menschheit ist.
Diese sieben Prinzipien des All-Einen sind unveränderbar, und die Unwissenheit oder Ignoranz ihnen gegenüber stellt einen schwerwiegenden Fehler innerhalb der verschiedenen Systeme esoterischer Lehren dar. Wenn wir die Erbauung und Konstruktion unseres inneren Tempels suchen, so müssen wir bei einem Studium der grundlegenden Gesetzmässigkeiten der Konstruktion des Universums beginnen, um sie dann in unser praktisches tägliches Leben zu integrieren.
Quellen: Der Kybalion
Autorschaft: Drei Eingeweihte

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