Donnerstag, 25. Februar 2010

1.TEIL: Zusammenfassung des Vortrags vom 24.2.2010 „TRAUMYOGA“ von Ludwig Pichler, Direktor der Akademie Gnosis Austria

TRAUMYOGA - TRÄUME WERDEN ZU DIREKTEN ERFAHRUNGEN

Über die Träume

Die Gnosis lehrt, dass es viele verschiedene Arten von Träumen gibt, welche die moderne, dekadente Psychologie der westlichen Hemisphäre nicht kennt ...

Fraglos sind die Träume von unterschiedlicher, spezifischer Qualität; dies ist auf die konkrete Tatsache zurückzuführen, dass sie in enger Beziehung zu jedem psychischen Zentrum des menschlichen Organismus stehen.

Wahrheitsgemäß und ohne Übertreibung können wir festhalten, dass die Mehrzahl der Träume mit dem instinktiven-motorischen Zentrum verknüpft sind, sie sind also das Echo der Dinge, die wir während des Tages wahrnehmen, einfache Empfindungen und Bewegungen und lediglich astrale Wiederholungen der Ereignisse des täglichen Lebens.

Genauso fließen einige Erfahrungen emotionaler Art, wie zum Beispiel die Angst, die der Menschheit so großen Schaden zufügt, in die chaotischen Träume des instinktiven-motorischen Zentrums ein.

Es gibt also emotionale, sexuelle, intellektuelle, motorische, instinktive und andere Träume.

Die wichtigsten Träume aber, die inneren Erlebnisse des Seins, stehen mit den beiden folgenden Zentren in Verbindung: dem höheren emotionalen und dem höheren mentalen Zentrum.

Träume, die mit den beiden höheren Zentren in Verbindung stehen, sind ohne Zweifel interessant; sie charakterisieren sich immer durch etwas, das man einen dramatischen Ausdruck nennen könnte ...

Wenn wir an den Strahl der Schöpfung und an die höheren und niedrigeren Zentren denken und an die Einflüsse, die durch den genannten kosmischen Strahl zu uns geleitet werden, müssen wir zugeben, dass sich in uns Vibrationen des Lichtes einstellen, die uns heilen und uns über den Zustand informieren möchten, in dem wir uns befinden, und so weiter ...

Es ist hilfreich, Botschaften zu empfangen und mit den Adepten der Azteken, Mayas, Tolteken, Ägypter, Griechen und so weiter in Verbindung zu sein.

Darüber hinaus ist es wunderbar, innerlich mit den verschiedenen, höchsten Teilen unseres Sein zu sprechen...

Die höheren Zentren in uns sind völlig entwickelt und vermitteln uns Botschaften, deren bewusste Wahrnehmung wir lernen müssen.

Jene sehr ausgewählten Menschen, die Momente der Selbst-Erinnerung in ihrem Leben erfuhren und eine normale, gewöhnliche Sache oder Person in einer völlig neuen Art wahrnahmen, wird es nicht überraschen, wenn ich ihnen in diesem Kapitel sage, dass derartige Momente die gleiche Qualität, den gleichen inneren Geschmack haben, wie die seltenen und eigenartigen Träume, die mit dem höheren emotionalen und dem höheren mentalen Zentrum in Verbindung stehen ...

Die Bedeutung derartiger transzendentaler Träume gehört in die gleiche Kategorie wie die Verwirklichung des Strahles der Schöpfung an sich und ganz besonders der lateralen Oktave der Sonne.

Wenn man beginnt, die tiefe Bedeutung dieser besonderen Art der Träume zu begreifen, ist es ein Zeichen, dass bestimmte Kräfte darum kämpfen, uns zu erwecken, zu heilen, zu gesunden ...

Jeder von uns ist ein mathematischer Punkt im Raum, der als Vehikel für eine bestimmte Summe von „Werten“ (gute oder böse) dient ...

Der Tod ist eine Subtraktion von Brüchen; nach Beendigung des Rechenvorgangs bleiben nur die „Werte“ übrig (weiße oder schwarze).

Es liegt auf der Hand, dass in Übereinstimmung mit dem Gesetz der ewigen Wiederkehr die Werte zurückkehren, sich wieder verkörpern ...

Wenn ein Mensch beginnt, sich bewusster mit dem kleinen Zyklus der wiederkehrenden Ereignisse seines persönlichen Lebens zu beschäftigen, kann er für sich selbst durch direkte mystische Erfahrung feststellen, dass sich im täglichen Schlaf immer der gleiche mathematische Rechenvorgang des Todes wiederholt ...

In Abwesenheit des physischen Körpers, während des normalen Schlafes, ziehen sich die im Astrallicht untergetauchten Werte gemäß den Gesetzen der universalen Magnetisierung an oder stoßen sich ab ...

Die Rückkehr in den Wachzustand bedeutet auch die Tatsache der Rückkehr der Werte in das Innere des physischen Körpers.

Es ist sehr eigenartig, dass die Menschen glauben, nur mit der Außenwelt in Verbindung zu sein.

Die Gnosis lehrt, dass wir mit einer inneren Welt in Verbindung stehen, die für die gewöhnlichen Sinne des Körpers unsichtbar, jedoch für den Hellsichtigen sichtbar ist ...

Die unsichtbare innere Welt ist viel größer und birgt viel mehr interessante Dinge als die Außenwelt, auf die man ständig durch die Fenster der fünf Sinne blickt ...

Viele Träume beziehen sich auf den Ort, wo wir in der unsichtbaren Innenwelt stehen und von dem die unterschiedlichen Umstände des Lebens auftauchen ...

Die Sprache der Träume ist mit der Sprache der Parabeln exakt vergleichbar...

Jene, die alles wörtlich interpretieren, glauben, dass der Sämann des Christlichen Evangeliums hinausging um zu säen, und dass der Samen auf steiniges Gelände fiel und so weiter. Sie verstehen freilich den Sinn dieses Gleichnisses nicht, da es zur symbolischen Sprache des höheren emotionalen Zentrums gehört ...

Wir müssen auch daran denken, dass jeder Traum, wie absurd oder zusammenhangslos er auch sein mag, eine Bedeutung hat, denn er zeigt uns nicht nur das psychische Zentrum, mit dem er in Verbindung steht, sondern auch den psychologischen Zustand dieses Zentrums ...

Viele Büsser bildeten sich etwas auf ihre Keuschheit ein, doch als sie in den inneren Welten Prüfungen unterzogen wurden, versagten sie im Sexualzentrum und hatten nächtliche Samenergüsse ...

Beim vollkommenen Adepten sind die fünf psychischen Zentren: das intellektuelle, emotionale, motorische, instinktive und sexuelle Zentrum, in völliger Harmonie mit dem Unendlichen ...

Welches sind die mentalen Aktivitäten während des Traumes? Welche Emotionen wühlen uns auf und bewegen uns? Welches sind unsere Aktivitäten außerhalb des physischen Körpers? Welche instinktiven Wahrnehmungen dominieren? ... Haben wir unsere sexuellen Zustände während des Träumens bemerkt?

Wir müssen mit uns selbst ehrlich sein; völlig zu Recht sagte Platon: „Der Mensch erkennt sich durch seine Träume.“

Das Problem der falschen Funktion der Zentren ist ein Thema, welches während des ganzen Lebens durch die aktive Selbst-Beobachtung und durch die rigorose Prüfung der Träume studiert werden muss ...

Es ist unmöglich, die Zentren und deren korrektes oder falsches Funktionieren innerhalb kurzer Zeit zu verstehen - wir brauchen dazu unendlich viel Geduld.

Das ganze Leben läuft unter dem Einfluss der Zentren ab und wird durch sie kontrolliert ...

Unsere Gedanken, Gefühle, Ideen, Hoffnungen, Ängste, unsere Liebe, unser Hass, unsere Handlungen, Empfindungen, Vergnügungen, die Frustrationen, unsere Zufriedenheit und so weiter, befinden sich in den Zentren ...

Die Entdeckung eines inhumanen Elementes in einem der Zentren ist ein mehr als ausreichender Grund für die esoterische Arbeit ...

Jeder psychologische Defekt muss vorgängig durch die Meditation verstanden werden, ehe man seine Auflösung beginnen kann ...

Die Ausrottung, Vernichtung und Eliminierung eines unerwünschten Elementes ist nur dann möglich, wenn wir Tonantzin (die Göttliche Mutter Kundalini) um Hilfe bitten; sie ist eine Variante unseres eigenen Seins – der persönliche Fohat eines jeden von uns ...

Auf diese Art können wir von Augenblick zu Augenblick sterben; nur durch den Tod entsteht das Neue ...

Auf den Stufen der Wesen und Dinge erreichen uns zweifellos Einflüsse aller Art ...

Wenn wir den Strahl der Schöpfung verstehen, wissen wir auch, dass uns in jedem Augenblick unseres Lebens Einflüsse verschiedenster Qualität erreichen.

Wir müssen uns immer daran erinnern, dass es höhere Einflüsse gibt, die auf uns einwirken und von unserem psychischen System registriert werden. Wenn wir jedoch an unseren Sinnen haften und unserem inneren Leben nicht volle Aufmerksamkeit schenken, werden wir diese Einflüsse auch nicht wahrnehmen können ...


Disziplin des Traum-Yoga 

Aspiranten, welche wirklich die direkte, mystische Erfahrung suchen, müssen fraglos mit der Disziplin des Traum-Yoga beginnen.

Der Gnostiker muss an sich selbst hohe Ansprüche stellen und lernen, günstige Bedingungen für die Erinnerung und das Verständnis aller inneren Erfahrungen zu schaffen, die stets während des Schlafes auftreten.

Ehe wir uns zu Bett begeben, um von den Anstrengungen und Mühen des täglichen Lebens auszuruhen, sollen wir dem Zustand, in dem wir uns befinden, gebührende Aufmerksam-keit entgegenbringen.

Schüler, die aufgrund der Umstände eine sitzende Lebensweise führen, verlieren bestimmt nichts, gewinnen aber viel, wenn sie einen kurzen Spaziergang in schnellem Schritt an der frischen Luft unternehmen, ehe sie sich zur Ruhe begeben. Dadurch entspannen sie auch ihre Muskeln ...

Wir möchten aber klarstellen, dass wir keinesfalls die körperlichen Übungen übertreiben dürfen: Wir müssen harmonisch leben ...

Das Abendessen, der Imbiss oder die letzte Nahrungsaufnahme des Tages soll leicht sein und frei von schweren, stimulierenden Speisen. Wir müssen darauf achten, keine Nahrungsmittel zu uns zu nehmen, die uns den Schlaf rauben ...

Die höchste Form des Denkens ist das Nicht-Denken. Wenn der Geist ruhig und still ist, frei von der Hast des Tages und weltlichen Unruhen, befindet er sich in einem sehr günstigen Zustand, den Yoga des Schlafes zu üben.

Wenn das höhere emotionale Zentrum wirklich arbeitet, endet, sei es auch nur für kurze Zeit, der Vorgang des Denkens ...Das genannte Zentrum wird durch das Glücksgefühl der dionysischen Trunkenheit aktiviert ...

Lauscht man mit großer Hingabe den herrlichen Symphonien eines Wagner, Mozart oder Chopin so entsteht diese Trunkenheit.

Besonders die Musik Beethovens ist hervorragend geeignet, um das Höhere Emotionale Zentrum zum Vibrieren zu bringen ...

In ihr findet der aufrichtige Gnostiker ein immenses Feld für die mystische Forschung, da es sich um keine Musik der Formen, sondern um archetypische, hehre Ideen handelt, wobei jede Note ihre Bedeutung, jede Stille ein höheres Gefühl beinhaltet ...

Beethoven, der die grausamen Härten und Prüfungen der „spirituellen Nacht“ fühlen musste, scheiterte nicht, wie viele Aspiranten. Er öffnete die Augen seiner Intuition der mysteriösen „Übernatur“, dem spirituellen Teil der Natur, jener Region, in der die Engelkönige dieser großen universalen Schöpfung wohnen: Tlaloc, Ehecatl, Huehueteotl und so weiter ...

Ja, der Musiker-Philosoph hatte während seines beispielhaften Lebens auf seinem Arbeitstisch stets seine Göttliche Mutter Kundalini im Blickfeld, die herrliche Neith, die
Tonantzin von Anahuac, die höchste Isis Ägyptens.

Es wird gesagt, dass der große Meister zu Füssen dieser herrlichen Figur eigenhändig eine Inschrift anbrachte, deren mysteriöser Inhalt wie folgt lautet:

„Ich bin die, welche war, ist und sein werde, und kein Sterblicher hat meinen Schleier gelüftet“.

Der innere revolutionäre Fortschritt ist ohne die Hilfe unserer Göttlichen Mutter Tonantzin unmöglich.

Jeder dankbare Sohn muss seine Mutter lieben; Beethoven liebte seine Göttliche Mutter auf das Innigste ...

Während den Stunden des Schlafes, außerhalb des physischen Körpers, kann die Seele mit ihrer Göttlichen Mutter sprechen; freilich müssen wir dazu mit der Disziplin des Traum-Yoga anfangen ...

Wir müssen dem Zimmer, in dem wir schlafen, die nötige Aufmerksamkeit schenken: seine Dekoration soll angenehm sein und die Farben sollen dem beabsichtigten Zweck dienen. Ungeachtet der Empfehlungen anderer Autoren, nennen wir dafür die drei Grundfarben blau, gelb und rot ...

Die drei Grundfarben entsprechen immer den drei primären Kräften der Neith Isis Natur (das heilige Triamazikamno) - heiliges Bejahen, heiliges Verneinen, heiliges Vereinigen ...

Denken wir auch daran, dass die drei Urkräfte dieser großen Schöpfung sich immer positiv, negativ und neutral kristallisieren ...

Die „Causa Causorum“ des Heiligen Triamazikamno liegt verborgen im aktiven Element Okidanokh, das selbst eine Emanation des Heiligen Solaren Absoluten ist ...

Nach diesen Erklärungen und durch einfache logische Schlussfolgerung ist es unsinnig und ein Fehler, die drei grundlegenden Farben abzulehnen.

Der Traum-Yoga ist eine ungewöhnliche, wunderbare, großartige Disziplin, aber sie ist auch sehr anspruchsvoll ...

Das Schlafzimmer muss stets gut gelüftet und parfümiert sein, wobei jedoch kein Tau eindringen soll ...

Nach einer eingehenden Vorbereitung seiner selbst und des Schlafzimmers, soll der Gnostiker sein Bett prüfen ...

Wenn wir einen Kompass in der Hand halten, können wir feststellen, dass die Nadel immer nach Norden weist ...

Zweifellos ist es möglich, diese magnetische Strömung der Erde, die immer von Süden nach Norden fließt, bewusst zu nutzen ...

Stellen wir das Bett so auf, dass das Kopfende immer nach Norden weist. So können wir die durch die Nadel angezeigte magnetische Strömung intelligent nutzen.

Die Matratze soll nicht übertrieben hart, aber auch nicht zu weich sein, das heißt, ihre Elastizität soll in keiner Weise die psychischen Prozesse des Schläfers beeinträchtigen ...

Quietschende Sprungfedern oder ein Kopfteil, das bei der geringsten Bewegung des Schlafenden knarrt, stellen ein ernsthaftes Hindernis für diese Übungen dar.

Man legt einen Notizblock oder ein Schreibheft und einen Bleistift so unter das Kopfkissen, dass sie in der Dunkelheit leicht zu finden sind ...

Die Bettwäsche muss frisch und sauber sein und das Kopfkissen parfümieren wir mit unserem Lieblingsduft ...

Wenn diese Anforderungen erfüllt sind, macht der Gnostiker den zweiten Schritt dieser esoterischen Disziplin ...

Er legt sich ins Bett, löscht das Licht und nimmt eine Rückenlage ein, schließt die Augen und legt die Hände auf das Sonnengeflecht ...

So bleibt er einige Momente ganz still. Nachdem er sowohl körperlich als auch geistig völlig gelockert und entspannt ist, konzentriert er sich auf Morpheus, den Gott des Traumes ...

Ohne Zweifel übt jeder einzelne, isolierte Teil unseres Wahren Seins bestimmte Funktionen aus und so ist Morpheus (nicht mit Orpheus zu verwechseln) der Beauftragte, der uns in den Mysterien der Träume schult ...

Es wäre unmöglich ein Schema des Seins zu zeichnen; aber alle spirituellen, isolierten Teile unseres Seins streben absolute Vollkommenheit in ihren Aufgaben an ...

Wenn wir uns auf Morpheus konzentrieren, freut er sich über die wunderbare Gelegenheit, die wir ihm bieten ...

Wir müssen festen Glauben haben und bitten können; wir müssen Morpheus bitten, uns in den suprasensiblen Welten zu erleuchten und zu erwecken.

In diesem Stadium bemächtigt sich des esoterischen Gnostikers eine ganz spezielle Schläfrigkeit und er nimmt die Stellung des Löwen ein ...

„Auf der rechten Seite liegend, den Kopf nach Norden gerichtet, zieht er langsam die Beine nach oben, bis die Knie angezogen sind. In dieser Stellung ruht das linke Bein auf dem rechten. Dann schmiegt er die rechte Wange in die rechte Handfläche und lässt den linken Arm auf dem linken Bein ruhen ...”

Wenn wir aus dem normalen Schlaf erwachen, dürfen wir uns nicht bewegen; wenn wir uns bewegen, werden unsere Werte geschüttelt und die Erinnerungen gehen verloren ...

Natürlich ist die Übung der Retrospektion in jenen Momenten notwendig, wenn wir uns mit höchster Genauigkeit an alle unsere Träume erinnern wollen ...

Der Gnostiker muss die Einzelheiten des oder der Träume genau in sein Heft eintragen, das er zu diesem Zweck unter dem Kopfkissen bereitlegte ...

So kann er wirklich detaillierte Aufzeichnungen über seinen inneren Fortschritt beim Yoga des Schlafes führen ...Auch wenn nur vage Bruchteile des Traumes oder der Träume im Gedächtnis haften bleiben, sollten diese sorgfältig eingetragen werden ...

Wenn wir uns an nichts erinnern, müssen wir die retrospektive Übung mit dem ersten Gedanken beginnen, den wir im Moment des Erwachens hatten, da dieser offensichtlich mit dem letzten Traum in enger Verbindung steht ...

Wir weisen aber nachdrücklich darauf hin, dass die Übung der Retrospektion vor der Rückkehr in den vollständigen Wachzustand begonnen werden muss; versuchen wir, bewusst dem Ablauf des Traumes zu folgen, während wir noch schläfrig sind ...

Die Praxis der genannten Übung beginnt immer mit dem letzten Bild, welches uns vor der Rückkehr in den Wachzustand erschien ...

Wir beenden dieses Kapitel mit der nachdrücklichen Feststellung, dass wir nur dann nach diesem Teil der Disziplin des Yoga des Schlafes fortschreiten können, wenn wir uns genau an unsere Traumerfahrungen erinnern ...


Der tantrische Schlaf

Es ist wichtig, dass wir monatlich unser Notizheft durchsehen, um die allmählichen Fortschritte in der Traumerinnerung festzustellen ...

Jede Möglichkeit des Vergessens muss eliminiert werden; mit den folgenden Übungen dürfen wir nur fortfahren, wenn wir die perfekte Erinnerung erreicht haben ...

Besonders interessant sind Dramen, die aus anderen Jahrhunderten zu sein scheinen und die sich in einem Umfeld oder einer Umgebung abspielen, die nichts mit dem Leben des Träumers im Wachzustand zu tun haben ...

Man muss in einem Zustand der „achtsamen Wahrnehmung“, der „wachsamen Verwunderung“ sein und dem Studium der Einzelheiten ganz besondere Aufmerksamkeit schenken: spezielle Gegebenheiten, Gespräche, Versammlungen, Tempel, ungewöhnliche Handlungen in Verbindung mit anderen Personen und so weiter.

Sobald die völlige Entwicklung der Traumerinnerung erreicht und mögliches Vergessen ausgeschaltet wurde, öffnet der Vorgang der Versinnbildlichung den Weg der Offenbarung ...

Wir müssen die grundlegende Wissenschaft der Interpretation der Träume im Gesetz der philosophischen Analogie, im Gesetz der Analogie der Gegensätze, im Gesetz der Entsprechungen und im Gesetz der Numerologie suchen ...

Die astralen Bilder, die sich im magischen Spiegel der Imagination reflektieren, dürfen niemals wörtlich interpretiert werden, denn sie sind symbolische Darstellungen archetypischer Ideen und müssen genau so benützt werden, wie ein Mathematiker die algebraischen Formeln verwendet ...

Im Weiteren sei erwähnt, dass diese Ideen aus der Welt des Reinen Geistes herabfließen ...

Diese vom Sein stammenden archetypischen Ideen werden für uns zu einer wundervollen Informationsquelle über den psychologischen Zustand des jeweiligen Zentrums der Maschine, über sehr intime esoterische Dinge, über mögliche Erfolge oder Gefahren und so weiter und drücken sich immer in einer Symbolik aus ...

Das Entschlüsseln eines astralen Symbols oder irgendeiner Szene oder Figur zum Erkennen der wesentlichen Idee ist nur durch die “logische und vergleichende Meditation des Seins” möglich.

Wenn man in diesem Stadium der Disziplin des Yoga des Schlafes angelangt ist, ist es unumgänglich, den tantrischen Aspekt der Angelegenheit zu beleuchten...(Anm.: die tantrische Lehre behandelt die Untrennbarkeit des Relativen mit dem Absoluten, die Welt der Erscheinungen mit der Welt der Wirklichkeit). 

Die alte Weisheit lehrt, dass Tonantzin (Devi Kundalini), unsere eigene Kosmische Göttliche Mutter (denn jeder Mensch hat seine eigene) jede beliebige Form annehmen kann, ist sie doch der Ursprung aller Formen. Deshalb soll der Gnostiker vor dem Einschlafen über sie meditieren ...

Der Aspirant muss täglich beim Einschlafen mit großem Glauben folgendes Gebet wieder-holen: „Tonantzin, Teteoinan! Oh meine Mutter, komm zu mir, komm zu mir!“

Wenn der Gnostiker diese Übung mit Ausdauer durchführt, steigt gemäß der tantrischen Wissenschaft früher oder später, wie durch Zauberhand, aus den sich verändernden und formlosen Äußerungen seiner Träume ein Element der Einweihung auf ...

Solange dieses einweihende Element nicht völlig identifiziert wurde, müssen die Träume auch weiterhin in das Notizheft eingetragen werden ...

Das Studium und die gründliche Analyse eines jeden aufgeschriebenen Traumes ist in der esoterischen Disziplin des tantrischen Schlafes unerlässlich ...

Ohne Zweifel wird uns der didaktische Fortschritt zur Entdeckung des einweihenden oder einigenden Elementes des Traumes führen ...

Der an diesem Punkt der tantrischen Disziplin angelangte ehrliche Gnostiker ist somit bereit, den nächsten Schritt zu tun, der das Thema unseres folgenden Kapitels sein soll ...



Übung der Rückkehr

Wenn der Aspirant mit vollem Erfolg alle gnostischen Übungen im Zusammenhang mit dem Esoterismus des Traumes durchgeführt hat, ist er innerlich für die Übung der Rückkehr vorbereitet.

Im vorigen Kapitel erwähnten wir das einweihende Element, das wie durch Zauberhand aus den sich verändernden und formlosen Äußerungen seiner Träume aufsteigt ...

Einige sehr vergeistigte, feinfühlige und sensible Menschen besaßen schon immer in sich dieses einweihende Element ...

Bei diesen Personen wiederholt sich ständig der gleiche Traum; sie durchleben periodisch diese oder jene Szene oder sehen in ihren Traumerlebnissen stets dieses oder jenes Wesen oder Symbol ...

Jedesmal, wenn man sich beim Erwachen aus dem normalen Schlaf an das einweihende Element, sei es Symbol, Klang, Farbe oder Person etc. erinnert, soll der Aspirant mit geschlossenen Augen weiterhin das bekannte Schlüsselbild visualisieren und versuchen, erneut und absichtlich einzuschlafen, um den Traum fortzusetzen ...

In anderen Worten soll der Aspirant versuchen, sich seines eigenen Traumes bewusst zu werden und dazu ihn absichtlich fortzusetzen, wobei er ihn jedoch mit voller Klarheit und Selbstkontrolle in den Wachzustand übernimmt.

So wird er zum Zuschauer und Akteur eines Traumes, aber mit dem nicht zu unter-schätzenden Vorteil, dass er das Geschehen jederzeit verlassen kann, um sich in der Astralwelt frei zu bewegen ...

So ist der Aspirant frei von allen Fesseln des Fleisches und befindet sich außerhalb seines physischen Körpers. Losgelöst von seiner altbekannten Umwelt, dringt er in ein Universum ein, das von anderen Gesetzen regiert wird ...

Die Disziplin des Traumzustandes der tantrischen Buddhisten führt didaktisch zum Erwachen des Bewusstseins ...

Der Gnostiker kann nur dann den wahren Zustand der Erleuchtung erlangen, wenn er die Träume versteht und auflöst ...

In den heiligen Schriften Indiens steht mit Nachdruck geschrieben, dass die ganze Welt ein Traum Brahmas ist ...

Ausgehend von dieser indischen Feststellung sagen wir mit Nachdruck Folgendes: „Wenn Brahma erwacht, endet der Traum“.

Solange der Aspirant die radikale Auflösung nicht nur der Träume an sich, sondern auch der psychologischen Auslöser derselben nicht erreicht hat, ist ein vollständiges Erwachen schlicht unmöglich ...

Das endgültige Erwachen des Bewusstseins ist nur durch eine radikale Veränderung möglich ...

Die vier christlichen Evangelien betonen die Notwendigkeit des Erwachens; leider schlafen die Menschen auch weiterhin ...

Quetzalcoatl, der mexikanische Christus, war ohne Zweifel ein völlig erwachter Mensch ...

Die Vielfalt seiner Funktionen zeigt uns mit aller Klarheit das große Alter seines Kultes und die tiefe Verehrung, die ihm in ganz Mittelamerika entgegengebracht wird ...Die Heiligen Götter von Anahuac sind perfekte Menschen im wahrsten Sinne des Wortes; sie sind vollständig erwachte Wesen, die aus ihrer Psyche jede Möglichkeit zu träumen gelöscht haben ...

Tlaloc, „der das Sprießen bewirkt”, der Gott des Regens und des Blitzes, ist ein Gott und auch erwachter Mensch; er musste aus seiner Psyche nicht nur seine Träume, sondern auch jede Möglichkeit des Träumens eliminieren.

Er ist das bedeutendste heilige Wesen der uralten Kultur der Olmeken; auf den riesigen Äxten und den verschiedenen Jadefiguren erscheint er immer mit der Maske der Tiger-Schlange ...

Texcatlipoca und Huitzilopochtli, die Wesen des Feuers, lebendige Darstellungen der Nacht und des Tages, sind auch erwachte Menschen, die jenseits der Träume gelangen konnten ...

Außerhalb des physischen Körpers kann der erwachte Mensch die heiligen Götter der Azteken, Mayas, Zapoteken, Tolteken und so weiter anrufen.

Die Götter der Kodexe Borgia, Borbonicus und so weiter kommen, wenn der erwachte Mensch ruft ...

Durch die Hilfe der heiligen Götter kann der erwachte Mensch im Astrallicht die Geheime Lehre von Anahuac studieren ...


Die vier Glückseligkeiten

Im vorherigen Kapitel sprachen wir viel über das einweihende Element des Traumes; nun müssen wir nur noch lernen, es richtig anzuwenden ...

Wenn der Gnostiker über seine Träume entsprechende Notizen macht, entdeckt er ohne Zweifel den stets sich wiederholenden Traum. Schon das ist unter anderem Grund genug, alle Träume in einem Buch oder Heft aufzuschreiben...

Die ständig sich wiederholende Traumerfahrung ist das einweihende Element, welches uns zum Erwachen des Bewusstseins führt, wenn wir es intelligent anwenden ...

Jedes Mal, wenn der Mystiker zu Bett geht und über des einweihende Element meditierend wissentlich einschläft, lässt das Ergebnis niemals lange auf sich warten. Gewöhnlich erlebt der Suchende den Traum noch einmal bewusst und kann sich dann von der Traumszene willentlich entfernen, um durch die suprasensiblen Welten zu reisen ...

Wenn wir die Technik wirklich beherrschen, können wir auch jeden anderen Traum für diese Zwecke verwenden ...

Wer aus einem Traum erwacht, kann diesen absichtlich fortsetzen, wenn er dies möchte; in diesem Fall muss er erneut einschlafen und sein Traumerlebnis mit der Vorstellungskraft wieder aufleben lassen ...

Es geht nicht um die Vorstellung, uns etwas vorzustellen; der Kernpunkt besteht darin, den Traum in seiner ganzen vorherigen Realität noch einmal zu erleben ...

Die absichtliche Wiederholung des Traumes ist der erste Schritt zur Erweckung des Bewusstseins; sich willentlich und inmitten der Ereignisse vom Traum zu trennen, ist der zweite ...

Einigen Aspiranten gelingt der erste Schritt, doch für den zweiten fehlt ihnen die Kraft ...

Solche Menschen können und müssen sich selbst mittels der Technik der Meditation helfen ...

Indem sie sich dies ernsthaft vornehmen, müssen diese Menschen die Meditation üben, ehe sie sich schlafen legen ...

Als Gegenstand der Konzentration und prüfenden Selbstbetrachtung während der tiefen inneren Meditation nimmt man in diesem Fall das eigene innere Problem ...

Während dieser Übung muss der bedrückte Mystiker voll aufrichtiger Emotion seine Göttliche Mutter Tonantzin (Devi Kundalini) anrufen ...

Tränen des Schmerzes vergießend, beklagt der asketische Gnostiker seinen Zustand der Unbewusstheit und fleht um Hilfe. Er bittet seine Mutter, sie möge ihm innere Kräfte geben, sich willentlich von jedem Traum lösen zu können ...

Der Zweck dieser Disziplin des tantrischen Traumes ist die Vorbereitung des Schülers auf die klare Erkenntnis der vier Glückseligkeiten, die im Traumerlebnis vorkommen ...

Diese esoterische Disziplin ist nur für sehr ernsthafte Menschen, denn sie verlangt unendliche Geduld und extreme innere Anstrengungen ...

Im Osten wird viel über die vier Lichter des Traumes gesprochen und auch wir müssen diese Angelegenheit studieren.

Das erste Licht ist das „Licht der Enthüllung“. Im Buch des Lebens steht mit goldenen Lettern geschrieben, dass man dieses genau vor oder während der ersten Stunden des Schlafes wahrnimmt.

Es ist überflüssig zu sagen, dass sobald der Schlaf tiefer wird, sich die unerwünschte Mischung von Resteindrücken und der gewohnte Fluss der unterschiedlichen Gedanken glücklicherweise langsam auflöst.

In diesem Stadium des Schlafes dringt allmählich und unbemerkt das zweite Licht ein, das in Asien unter dem wundervollen Namen „Licht der Zunahme“ bekannt ist.

Der asketische Gnostiker kann ohne Zweifel durch die außergewöhnliche Disziplin des tantrischen Schlafes weit über diese Phase hinaus vordringen, bis er den zwei restlichen Lichtern völlig habhaft werden kann ...

Die Realität des praktischen Lebens in den Höheren Welten des Kosmischen Bewusstseins erleben heißt, dass dritte Licht, das ist das „Licht der unmittelbaren Verwirklichung“ erreicht zu haben.

Das vierte Licht ist das Licht der „tiefen inneren Erleuchtung“ und kommt wie durch Zauberhand während der mystischen Erfahrung zu uns ...

„Hier, im vierten Grad der Leere, wohnt der Sohn der Mutter Klarlicht“, erklärt eine tibetische Schrift.

Ich sage frei und ohne Umschweife Folgendes: Die Disziplin des tantrischen Schlafes ist in Wahrheit eine esoterische Vorbereitung auf den letzten Traum, den wir Tod nennen ...

Ein gnostischer Anachoret, der oft des Nachts gestorben ist und bewusst die vier Glückseligkeiten erobert hat, die sich während der Traumerfahrung einstellen, wird im Zeitpunkt der Entkörperung mit der gleichen Leichtigkeit in den Zustand post mortem übergehen, mit der er freiwillig in die Welt des Traumes eintaucht ...

Außerhalb des physischen Körpers kann der bewusste Gnostiker selbst das Schicksal feststellen, das die Seelen nach dem Tod erwartet ...

Wenn der Esoteriker mittels der Disziplin des tantrischen Schlafes jede Nacht bewusst sterben und in die Welt der Toten eindringen kann, kann er natürlich auch das Ritual des Lebens und des Todes studieren, bis der zelebrierende Priester eintrifft ...

Nach dem Besuch der Welten der Hölle, wo Hermes mit Schaudern das Schicksal der verlorenen Seelen sah, kannte er viele Geheimnisse ...

„Schau auf diese Seite!“ ruft Osiris dem Hermes zu. „Siehst du diesen Schwarm von Seelen, der versucht, sich in die lunare Region zu erheben? Die einen werden in Richtung Erde zurückgestossen, wie Schwärme von Vögeln im Sturmwind, die anderen erreichen mit kräftigen FlügelschlaÅNgen die höhere Sphäre, die sie in ihrer Rotation mitreißt. Sobald sie dort ankommen, erlangen sie wieder die Sicht der göttlichen Dinge.”

Die Azteken gaben beim Begräbnis demjenigen einen trockenen Zweig mit, der von Tlaloc, dem Gott des Regens, auserwählt worden war ...

Man sagte, dass der trockene Zweig erneut zu grünen begänne, wenn der Gesegnete in den Gefilden der Wonnen, in Tlalocan, anlangte. Dadurch werde die Wiederkehr in eine neue Existenz angezeigt, die Rückkehr ...

Wer weder von der Sonne noch von Tlaloc ausgewählt wurde, kam in das im Norden gelegene finstere Mictlan, in die Region, in welcher die Seelen einer Reihe von magischen Prüfungen unterzogen wurden, während sie die Welten der Hölle durchliefen.

Neun Orte sind es, wo die Seelen schrecklich leiden, ehe sie die endgültige Ruhe erlangen ...

Dies erinnert uns stark an die neun Höllenkreise der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri ...

Zahlreiche Götter und Göttinnen bevölkern die neun Kreise Dantes in der aztekischen Hölle ...

Erinnern wir uns in dieser Weihnachtsbotschaft 1974-1975 an den schrecklichen Mictlantecuhtli und die finstere Mictecacihuatl, den Herrn und die Herrin der Hölle, an diese Bewohner der neunten, tiefsten Sphäre der Unterwelt ...

Die Seelen, welche die Prüfungen der aztekischen Hölle durchlaufen, gehen in der Folge und nach dem „Zweiten Tod“ glücklich in das Paradies der Elementargeister der Natur ein ...

Seelen, die nach dem Tod weder in die Welten der Hölle hinabfahren, noch in das „Reich des Goldenen Lichtes“, noch in das Paradies von Tlaloc oder in das „Reich der Ewigen Konzentration“ und so weiter aufsteigen, kehren entweder gleich oder später in einen neuen physischen Körper zurück ...

Die von der Sonne oder von Tlaloc auserwählten Seelen genießen große Freuden in den Höheren Welten, ehe sie in das Tal von Samsara zurückkehren.

Sobald die gnostischen Anachoreten die vier Lichter des Traumes erobert haben, können sie jede Nacht bewusst Tlalocan besuchen, nach Mictlan absteigen oder mit den Seelen Kontakt aufnehmen, die vor ihrer Rückkehr in der lunaren Region leben ...

(Auszug aus dem Buch „Geheime Lehre von Anahuac“ von Samael Aun Weor)

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