Wahres Mitgefühl ist universell
Mitgefühl wird manchmal zu Unrecht mit Mitleid gleichgesetzt. Wir müssen daher genauer analysieren, wie echtes Mitgefühl beschaffen ist.
Für uns ist es ganz normal, Verbundenheit mit unseren Freunden zu spüren, aber das ist kein echtes Mitgefühl. Es handelt sich um ein parteiisches Gefühl, während wahres Mitgefühl alles einschließt.
Wahres Mitgefühl entspringt nicht der Freude, die wir empfinden, wenn wir einer bestimmten Person nahe sind, sondern der Überzeugung, dass die anderen genauso wenig leiden wollen wie wir selbst und genauso nach Glück streben wie wir. Es entspringt meiner Verpflichtung, ihnen zu helfen, die Ursachen dieses Leidens zu überwinden. Ich muss mir bewusst werden, dass ich ihnen helfen kann, weniger zu leiden. Nur dann können wir von wahrem Mitgefühl sprechen.
Diese Haltung darf sich nicht auf den Kreis unserer Angehörigen und Freunde beschränken, sondern muss auch unsere Feinde einschließen. Wahres Mitgefühl ist unparteiisch und erzeugt ein Gefühl der Verantwortung für das Wohlergehen und Glück des anderen.
Wahres Mitgefühl lässt unsere inneren Spannungen schinden und versetzt uns in einen ruhigen, gelassenen Zustand. Er erweist sich vor allem im Alltag, wenn wir auf Probleme stoßen, die unser Selbstvertrauen herausfordern, als äußerst hilfreich. Eine mitfühlende Person erzeugt um sich herum eine warme, entspannte Atmosphäre, in der sich die anderen willkommen und aufgehoben fühlen. In den zwischenmenschlichen Beziehungen kann Mitgefühl Frieden und Harmonie fördern.
Die Macht des Mitgefühls
Zorn und Hass sind die größten Hindernisse für unser Mitgefühl. Diese heftigen Gefühle können unseren Geist vollkommen überwältigen, aber es gibt Wege, sie zu kontrollieren. Wenn wir sie jedoch nicht kontrollieren, lassen sie uns nicht mehr los und machen es uns unmöglich, jene Gelassenheit zu entwickeln, die einen liebenden Geist kennzeichnet.
Es ist heilsam, sich einmal die Frage zu stellen, ob Hass überhaupt einen Wert hat. In schwierigen Situationen, in denen uns Mutlosigkeit überkommen, scheinen Wut und Zorn uns zusätzliche Energie, Vertrauen, und Entschlossenheit zu verleihen. In einem solchen Fall ist es angebracht, unseren Geisteszustand genau zu prüfen. Es stimmt zwar, dass Zorn eine gewisse Energie verleiht, aber bei genauerem Hinsehen erkennen wir, dass er blind ist. Es ist unmöglich festzustellen, ob eine von Zorn bestimmte Handlung zu einem positiven oder einem negativen Ergebnis führen wird, weil Zorn den besten Teil unseres Gehirns, die Vernunft, ausschaltet. Daher ist diese Energie, die er uns verleiht, mit Vorsicht zu genießen. Sie kann in uns ein äußerst zerstörerisches, unheilvolles Verhalten auslösen. Ein ins Extrem getriebener Zorn kann uns so blind machen, dass wir im schlimmsten Fall uns selbst und anderen Schaden zufügen.
In schwierigen Situationen können wir eine andere, genauso starke Energie in uns erzeugen, die aber wesentlich besser zu kontrollieren ist als Zorn: Diese kontrollierte Enerige stammt einerseits aus einer mitfühlenden Haltung, andererseits aus Geduld, gepaart mit Vernunft. Das sind sehr wirksame Gegenmittel gegen Zorn und Wut. Leider missachten viele Menschen diese Eigenschaften, weil sie sie für Schwäche halten. Ich behaupte jedoch, dass sie ein Zeichen wahrer innerer Stärke sind. Mitgefühl ist von Natur aus liebevoll, friedlich und sanft und trotzdem sehr stark. Menschen, die leicht ungeduldig werden, sind unsicher und ungefestigt. Für mich ist ein Wutausbruch ein untrügliches Zeichen für Schwäche.
Versuchen Sie, angesichts eines Problems eine demütige, aufrichtige Haltung zu wahren und über die rechte Lösung nachzudenken. Wahrscheinlich werden manche Menschen versuchen, aus Ihrer Haltung einen Vorteil zu ziehen. Wenn Ihr Gleichmut eine ungerechte Aggression hervorruft, versuchen Sie standhaft, aber noch immer mitfühlend zu bleiben. Sollte es ich als notwendig erweisen, Ihren Standpunkt mit mehr Nachdruck zu verteidigen, dann tun Sie es ohne Zorn und Hintergedanken.
Sie müssen eines erkennen: Sogar in Situationen, in denen Ihr Gegner Ihnen scheinbar schadet, wird sich seine zerstörerische Haltung irgendwann gegen ihn selbst wenden. Um Ihren egoistischen Impuls nach Vergeltung zu zügeln, rufen Sie sich Ihren Wunsch, sich in Mitgefühl zu üben und verantwortungsvoll zu handeln, in Erinnerung. In Ruhe durchdachte Maßnahmen sind wesentlich wirkungsvoller und angemessener als Vergeltungsmaßnahmen, die der blinden Energie des Zorns entspringen und nur selten ihr Ziel erreichen.

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen