Samstag, 16. Juli 2011

Die Stille Reflexion



Wir brauchen die Stille Reflexion wenn wir wahrhaftig die vollkommene Ruhe und Gelassenheit des Geistes erreichen möchten.

Man muss klar erkennen, dass die Begriffe Stille und Reflexion im reinen Gnostizismus weitaus tiefere Bedeutungen aufweisen, und man diese auch gemäss ihren spezifischen Begriffsinhalten verstehen muss.

Zusammengefasst bedeutet Stille hier die Ruhe des Nicht-Denkens und Reflexion bedeutet ein intensiv aktiviertes und klares Bewusstsein.


Schritte, denen man folgt:

1. Entspannung: Es ist unabdingbar, dass man lernt den Körper für die Meditation zu entspannen. Kein Muskel darf angespannt sein.

2. Ruhige und gelassene Reflexion: Bevor irgendein Gedanke aufkommt, müssen wir uns zuerst über den Gemütszustand, in dem wir uns befinden, klar bewusst werden.

Das Grundprinzip und lebendiges Fundament von Samadi besteht aus einem nach innen schauenden Erkennen von sich selbst. Es ist unabdingbar, uns während der Tiefenmeditation nach innen zu richten.

Es ist notwendig zu erkennen, dass jedweder Gedanke der aus dem Verstand (auch aus dem Verständnis) auftaucht, stets aus den verschiedenen Polaritäten wie Schmerz oder Genuss, Freude oder Traurigkeit, Behagen oder Unbehagen usw. entsteht.

3. Stille Beobachtung: Wir müssen unseren Geist gelassen beobachten, unsere volle Aufmerksamkeit auf jede mentale Form richten, die auf der Leinwand des Intellektes erscheint. “Versuchen den Geist ununterbrochen zu beobachten”

4. Mantralisation oder Koan: Hier soll der Intellekt einen empfänglichen, integralen, allumfassenden, vollständigen, ruhigen und tiefgründigen Zustand annehmen.

Der Zweck dieser Phase ist:
a) Die magischen Kräfte der Mantras oder Koans in unser inneres Universum zu mischen.
b) Das Bewusstsein zu erwecken.
c) Innerlich christische Atome von höchster Spannung anzusammeln.

5. Psychoanalyse: Die Wurzel und den Ursprung jedes Gedankens, jeder Erinnerung, jeder Zuneigung, jeder Emotion, jedes Gefühls, jedes Grolls etc. ermitteln, untersuchen, erforschen, so wie sie im Geist auftauchen.

Während der Psychoanalyse muss man den Ursprung, den Grund oder das grundlegende Motiv aller Gedanken, Erinnerungen, Bilder und Assoziationen erforschen, prüfen und hinterfragen, wenn sie vom Grund des Unterbewusstseins auftauchen.

Es ist wichtig, Schläfrigkeit willentlich und graduell herbeizuführen. Es ist klar, dass durch die weise Verbindung von Schläfrigkeit und Meditation das entsteht, was man Erleuchtung nennt.

Auf diese Weise taucht man tief ein in die versteckten und unbekannten Ebenen des Geistes und lernt so die intimen Triebkräfte unserer Gedanken, Gefühle und Handlungen kennen.


Der Geist und die Sexualität


Alles was wir bis jetzt über die Praxis der Meditation und das Beherrschen des Geistes geschrieben haben muss auch von der sexuellen Transmutation gestützt werden, wenn wir wirklich möchten, dass sich unser Geist in ein nützliches Fahrzeug des Intimos verwandelt.

Diesbezüglich vereinen sich der Buddhismus und der Christentum. Der Geist muss christifiziert werden, und nur das Christische Feuer, welches in uns durch die Praxis der Sexualmagie wirkt, kann unseren Geist christifizieren. Meister Samael erklärt uns:

“Der Geist ist intimst mit der Sexualität verbunden und es ist praktisch unmöglich den Geist zu studieren, ohne dabei das sexuelle Problem zu berücksichtigen.

Es gibt unzählige Studenten des Okkultismus die sich dem Yoga und den Lehren von Krishnamurti widmen, da diese armen Wesen aber unaufhörlich Fornikation treiben, erreichen sie nichts und verschwenden bedauerlicherweise nur ihre Zeit. Es ist unmöglich den Geist von der Sexualität zu trennen. Der Geist und die Sexualität sind aufs Innerste miteinander verbunden und wenn unsere Studenten ihren Materie-Verstand in Christus-Verstand verwandeln möchten, so müssen sie ihren Kelch (das Gehirn) mit dem heiligen Wein des Lichtes (dem Samen) füllen.

Es ist einfach unmöglich den Geist zu christifizieren während wir weiter Fornikation treiben, unkeusch sind.

Man muss intensivst Sexualmagie praktizieren um den Geist zu transformieren, zu verwandeln.

Durch die Praxis der Sexualmagie füllen wir unseren Geist mit transformativen Atomen von höchster Spannung.

Auf diese Weise bereiten wir unseren Mentalkörper auf das Herabkommen des Feuers, auf den Advent des Feuers vor.

Wir müssen den esoterischen Buddhismus genauso wie das esoterische Christentum studieren, um nicht dieselben Fehler zu begehen wie so manch gegenwärtige Schule, speziell in Verbindung des Geistes mit der Meditation.

Die Lehre des Wassermannzeitalters wird das Ergebnis einer Mischung aus dem esoterischen Buddhismus mit dem esoterischen Christentum sein.”

“Bevor das falsche Morgenrot über der Erde aufgeht, werden jene welche den Wirbelsturm und das Gewitter überlebten den Intimo preisen, und ihnen werden die Zeugen der Morgenröte erscheinen.”


Donnerstag, 14. April 2011

Die Gnosis von Ostern


Ostern wird am Anfang des Christlichen Kalenders gefeiert, und zwar in Erinnerung an die Auferstehung von Jesus nach seiner Kreuzigung. Im Westen wird Ostern jeweils am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, also nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche (zwischen 21. März und 25. April) zelebriert.
Dieser Heilige Tag ist in Wahrheit viel älter als das Christentum selbst. Der Name „Ostern“ kann vom altgermanischen „Ostara“ abgeleitet werden, im angelsächsischen ist es Eastre oder Eostre, die Göttin des Frühlings, der Fruchtbarkeit und der aufgehenden Sonne. Ihr Name ist wiederum eine Ableitung vom Namen Ishtar, der babylonischen und assyrischen Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit.
In ganz Europa wurden Rituale und Opergaben gefeiert in Erinnerung an die Veränderungen der Natur vom Tod (dem Winter) hin zum Leben (dem Frühling). Diese heidnischen antiken Traditionen wurden also allmählich von den evangelisierenden christlichen Bewegungen absorbiert, obwohl die Bewegungen der Sonne in ihrem triumphierenden Marsch zu den Himmeln schon immer weltweit und in den verschiedensten mystischen Traditionen kultisch verehrt wurde.
Der spirituelle Wert von Ostern spiegelt sich in den Mythen und Traditionen vieler Kulturen und Religionen wider, welche alle zusammen eine gemeinsame esoterische Wurzelweisheit beinhalten: den Triumph des Christus über das Ego des reumütigen Suchenden.
Um die Feier noch tiefgründiger zu verstehen, müssen wir vorher mehr über Christus erfahren.

Christus

Der Begriff Christus wird abgeleitet von krestos, was in der Hermetik Feuer bedeutet. Christus ist eine Art Energie. Eine Energieform welche sich im menschlichen Wesen inkarnieren kann. All jene, welche dieses heilige Geschenk bekommen, können „Christus“ genannt werden. Dieses Christusprinzip wird in den verschiedensten Religionen dargestellt.
„Christus ist Ormus oder Ahura-Mazda bei den Persern, der wiederum die Antithesis von Ahriman (Satan) darstellt. Christus ist Vishnu im Heiligen Land der Veden. Er ist der Zweite Logos, eine sublime Emanation von Brahma, dem Ersten Logos. Der Avatar Krishna ist der hinduistische Jesus. Das Evangelium dieses Meisters gleicht jenem des göttlichen Rabbis von Galiläa. Fu-Ji ist der Kosmische Christus bei den alten Chinesen, jener der das berühmte I-Ging, das Buch der Gesetze, verfasste und der die Drachenminister zum Wohle der Menschheit ernannte. Osiris war tatsächlich der Christus des sonnigen Landes Khem, dem Land der Pharaonen, und jeder der Ihn inkarnierte war ein Osirifizierter. Quetzalcoatl ist der mexikanische Christus, der nun im Fernen Thule weilt.“
Samael Aun Weor, Die Drei Berge

Der Christus wird weithin durch die Sonne, dem Lebensspender, dargestellt. In der Kabbala sprechen wir vom Christus als den Solaren Logos, jener Sonne, welche den Baum des Lebens erleuchtet.
Im Westen inkarnierte Jesus von Nazareth, dessen eigentlicher Name Jeshua Ben Pandira war, den Christus in sich. Er wurde zum Sohn der Sonne, zum Licht der Welt selbst. Er lehrte wie man den Weg geht, so wie er ihn selbst gegangen ist. Dies fasste er in folgender Weise synthetisch zusammen:

Wer mir (dem Kosmischen Christus) will nachfolgen, der verleugne sich selbst (seine Begierden) und nehme sein Kreuz auf sich (der Alchemie) und folge mir nach (durch Opfer für Andere). - Markus 8:34

Diese drei Schritte sind dieselben Drei Faktoren zur Revolution des Bewusstseins.
Sich selbst zu verleugnen bedeutet gegen die eigennützigen, egoistischen Begierden die unseren Geist erfüllen vorzugehen. Diese Begierden müssen sterben damit der Christus in uns eintauchen kann. Solange wir unvollkomen sind werden wir getrennt von Ihm verweilen.
„Sei deswegen vollkommen, so wie auch dein Vater im Himmel vollkommen ist“ – Matthias 5:48
Dies ist eine Lehre die wir in allen grossen Religionen wiederfinden, nämlich der Verweis auf die Notwendigkeit einer psychologischen Arbeit an uns selbst, um so Reinheit im Herzen und im Geiste zu erreichen.
Das Kreuz auf sich zu nehmen, bedeutet die Arbeit mit dem Heiligen Kreuze, dieselbe Arbeit der Heiligen Alchemie zu beginnen. Dieses fantastische und allumfassende Symbol des Kreuzes repräsentiert das Herz der Lehre eines jeden wahren Mystizismus. Das Kreuz wird durch das Vereinen des Mannes mit der Frau im heiligen Sexualakt geformt, so wie es Jehovah Elohim in seinen Lehren im Garten Eden symbolisch erklärt.
Ihm nachzufolgen bedeutet sich selbst für das Wohl Anderer aufzuopfern, so wie es die Christifizierten immer taten: der Menschheit in Liebe, in Mitgefühl, mit grosser Willenskraft und immer gemäss der Göttlichen Gerechtigkeit zu dienen.
Um diese sublime Ehre zu erfahren, um den Inneren Christus zu inkarnieren, muss das menschliche Wesen natürlich dementsprechend vorbereitet sein. Diese Vorbereitung wird durch das Kosmische Drama der Initiation oder Einweihung, durch diese verschiedenen Ereignisse die im Leben von Jesus von Nazareth genauso wie im Leben von Quetzalcoatl, Krishna, Odin, uvm. zu finden sind, repräsentiert. In jeder einzelnen dieser Geschichten spielt das Kreuz eine zentrale Rolle.

Das Frühlings-Äquinoktium

Äquinoktium: Schnittpunkt der Ekliptik mit dem Himmelsäquator; der Zeitpunkt, an dem für alle Orte auf der Erde Tag und Nacht gleich lang sind.
Äquinoktium ist ein lateinisches Wort und hat seine Wurzeln in aequus, was gleich bedeutet, und nox, was Nacht bedeutet. Das Frühlings-Äquinoktium findet um den 21. Und 22. März statt, wenn die Länge des Tageslichts und die Länge der Nacht genau zwölf Stunden beträgt. An diesem Tag wird dann die Frühlingstagundnachtgleiche gefeiert.
In den vedischen Traditionen gibt es den „Chaitra Vishu Tag“, oder den Eröffnungstag der zweiwöchigen Phase des zunehmenden Mondes, an dem der Tradition nach Brahma (der Vater oder Erster Logos) die Welt erschaffen hat. Dieses Datum markiert den Beginn des Neuen Vedischen Jahres (deswegen ist er auch als yugadhi bekannt, dem Beginn eines neuen Yugas.
Die Babylonier begannen ebenfalls ihr neues Jahr an diesem Tag.
Zur Zeit des Frühlings-Äquinoktiums findet an der Kukulkanpyramide in Chichen Itza, Yucatan-Mexiko, ein besonderes Schauspiel statt. Verursacht durch den Sonnenlauf erscheint ein Schatten einer heiligen Schlange und kriecht die Pyramide hinunter.

Am selben Tag war es auch, als Sri Ramachandra, der Solare Held des Ramayana, seinen siegreichen Einzug in Ayodhya feierte, nachdem er die dämonischen Kräfte zerstört hatte; er wurde dort an diesem Tag gekrönt. Das ist der symbolische Triumph des Eingeweihten über sein eigenes Ego, das ist das selbe Ereignis, welches in der christlichen Tradition durch den psychologischen Tod des Eingeweihten am Heiligen Kreuz dargestellt wird.
Gnostiker verstehen im Äquinoktium oder der Heiligen Osterwoche den Beginn der Initiation, der Einweihung durch das Kreuz der Sexualmagie, dem wahren Beginn der Entwicklung unseres inneren Christusprinzips innerhalb unserer dichten Form des physischen Körpers.
Psychologisch gesprochen verkündet der Solare Logos (durch das Frühlings-Äquinoktium) den Eintritt des Christuslichtes in die Seele eines menschlichen Wesens, welches die hohe Symbolik im Evangeliums-Mythos erkennt und durch die Kraft der Sexualmagie gemeinsam mit Ihm als Sonnenheld in die Himmel zurückkehrt.

Quelle: gnosticteachings.org
by Ludwig Pichler

Montag, 28. März 2011

Anleitung über die Kraft der Mantren Rezitation-Vokalisierung und Wirkung von Ludwig Pichler für die Akademie Gnosis




„Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott“ Evangelium des Hl. Johannes

Viel wurde bereits über Schwingung, Kraftfelder des Körpers und die harmonische Entwicklung der latent in uns vorhandenen Fähigkeiten geschrieben. Die folgende Abhandlung stellt den Versuch einer Synthetisierung, einer Zusammenfassung, einer Hervorbringung der Essenz der Mantrenlehre dar, vor allem in Verbindung mit der praktischen gnostischen, also direkten Anwendung, den Wirkungsformen innerhalb des Menschens sowie die Relation mit dem sogenannten Einweihungsweg eines Mysterienschülers.


Inhaltsverzeichnis:

1 Ursprung und Bedeutung
2 Der physische Körper – nicht mehr als verdichtete Schwingung
3 Mantren und ihre Wirkung
4 Motiv und Motivation – Das ganzheitliche Heilwerden des Menschen und der Einweihungsweg


1

Etymologisch bedeutet der Sanskritbegriff Mantra „Instrument des Denkens oder der Rede“ und verweist primär auf jene vergeistigte Ursubstanz, welche vor dem Ausformen von Gedanken oder Gefühlen bereits in Klangform existiert. Die mystischen Traditionen weltweit erzählen uns in ihren Mythen in abstrakter Form von archetypischen Ideen, davon das alles Existierende von Bildern jenseits der manifestierten Form heraustritt bzw. sozusagen in die Schöpfung hereintritt. Dieses hereintreten in die Schöpfung geschieht durch das Verdichten der jeweiligen Ursubstanz vom Geistigen zur Materie hinein bzw. herab und gemäss ihres spezifischen Charakters entsteht in dieser Bewegung durch die innere atomare Reibung ein Urton. Man erzählt dass vor langer langer Zeit sich die Menschen noch dieser Urtöne bewusst waren, sie diese also kannten und wussten welche Töne welchen Stoffen oder auch spirituellen Wesenheiten oder Kräften zugehörig waren. Dies war die Zeit in der die Menschheit noch die sogenannte „Kosmische Sprache“ beherrschte und beständig die wahre Religion, das re-ligare, jenes mit seiner und der allgemeinen Göttlichkeit verbunden sein, beständig ausübte.

Sanskrit als eine sehr antike Sprache ist dieser Kosmischen Ursprache noch sehr nahe, daher rührt auch seine Kraft. Genauso finden wir im Latein mantrische Begriffe wie auch ältere keltische oder germanische Begriffe welche wiederum aus der nordischen Sprache herrühren. Die Runen mit ihren zugehörigen Körperpositionen und zu singenden Vokale bzw. Silben sind eindeutige Abkömmlinge dieser selben Kosmischen Sprache.

Viele Religionsformen wie der Buddhimus oder Hinduismus verwenden Mantren als Kraftinstrumente mit bestimmter Ausrichtung, genauso wie, wahrscheinlich für viele weniger bekannt, es innerhalb des Christentums z.B. in der Tradition der Philokalie, üblich war Mantren zum Erreichen erhöhter Bewusstseinszustände zu verwenden. In den Mysterienschulen der Sufis und der Gnostiker waren sie von jeher ein wichtiger Teil des individuellen Einweihungsweges und Mittel zur Revelation, also zur direkten Offenbarung der Gegenwart Gottes anhand einer mystischen Erfahrung oder Vision.

Die Mantren selbst sind also „Wörter der Kraft“, welche weise eingesetzt, den Menschen wieder mit Urstoffen, Urklängen oder auch Ur-Informationen in Verbindung bringen mittels der Gesetzmässigkeit der Resonanz. Wenn wir uns das Bild einer angeschlagenen Saite einer Gitarre vergeistigen können wir nachvollziehen dass die Nachbarsaiten mitschwingen werden. Nach demselben Prinzip arbeitet der mit Mantren praktizierende Student.


2

Pythagoras sagte schon einst: „Gott geometrisiert“, und wir fügen hinzu: „durch die Kraft des Klanges“

Der physische Körper aus Fleisch und Blut besteht gemäss der universellen Weisheitslehren aus nichts anderem als verdichteter Schwingung. Jeder Mensch hat eine gewisse Schlüsselnote welche im Moment des Todes so potenziert wird, das der physische Körper dieser Schwingung „unterliegt“ und verstirbt, während für das Seelenkleid des Menschen dadurch die Möglichkeit besteht sich endgültig vom physischen Körper loszulösen und sich neuen Aufgaben zu widmen.

Die Schlüsselnote als Lebensprinzip des Menschen zerteilt sich innerhalb des physischen Organismus in zigtausende Subtöne oder Untertöne die jeder für sich gewisse Urkräfte für lebensnotwendige Abläufe darstellen. So finden wir innerhalb der Okkulten Anatomie des Menschen eine direkte Verbindung mit dem Ton und der Funktion z.B. des Organs der Leber, der Milz, Bauchspeicheldrüse usw. und noch wichtiger die Verbindung der Töne mit unserem Nervensystem als Energieleiter und Schaltzentrale mit dem gesamten endokrinen Drüsensystem und ihrerseits wiederum mit ihrer so wichtigen hormonellen Sekretion. Ein Mensch der die Klänge der Mantren weise nützt bewirkt in seinem Inneren eine harmonische Sekretion seiner Drüsen und somit den Grundbaustein für die Vitalität des Körpers aber auch die Ausgeglichenheit der Emotionalen oder Mentalen Regungen – kurzum entsteht ein Glücksgefühl oder ein Glücklichsein in den drei Ebenen des Menschen: in Körper, Emotion und Geist oder Verstand.


3

Zur weiteren Erklärung der Wirkung der Mantren können wir die hinduistische Idee verwenden um klarere Einsichten über das Objekt des Studiums zu erlangen. Im Hinduismus spricht man von drei grundlegenden Arten von Mantren, die da wären:

                Saguna, wörtlich „mit Form“, richten sich an eine bestimmte Gottheit bzw. an einen bestimmten Aspekt Gottes.
                Nirguna, wörtlich „ohne Form“, richten sich an das formlose Göttliche.
                Bija oder bija-akshara sind einsilbige Keim-Mantras, die speziell in der Meditation oder in Zeremonien
verwendet werden, und nach hinduistischer Lehre auch auf das jeweilige Energiezentrum, das Chakra wirken     können (HAM – Äther, YAM – Luft, RAM – Feuer, VAM – Wasser, LAM – Erde).


In der Reihe der Bijas können wir also die gnostische Lehre der Okkulten Vokale integrieren. So wie bestimmte Silben den Grundelemnten zuzuordnen sind, finden wir auch Vokale, welche ganz spezifisch Körperregionen angehören bzw. dort in Resonanz stehen.

Die Silben der Elemente können wir folgendermassen zuordnen:

HAM dem Element Äther und der Region des Kopfes
YAM dem Element Luft und der Region des Kehlkopfes und der Halsgegend
RAM oder DRAM dem Feuer und der Bauchgegend
VAM dem Wasser und den Geschlechtsteilen, sowie
LAM dem Element Erde und der Region der Beine und Füsse

Diese Mantren kann man intensiv von oben nach unten, also bei HAM beginnend, singen während man imaginativ und stets mit geschlossenen Augen und vollkommen entspannt die jeweiligen Regionen von Licht durchflutet sieht. Dies bewirkt bei intensivem Üben das Beherrschen der Grundelemente der Natur, nicht nur innerhalb des Menschens sondern auch ausserhalb von ihm. Der Mensch, der diese Mantren übt wirkt positiv auf die gesamten Stoffwechselprozesse und Abläufe im Inneren des Organismus ein. Der praktizierende Student wirkt durch die psychosomatische Reflektionsdynamik auch auf sein Gemüt positiv ein und bewirkt, dass er die negativen Gefühle, Gedanken und Handlungen beherrschen lernt, weniger Selbstzerstörerisch und mehr Produktiv-Schöpferisch in allen Ebenen seines Selbst ist.

Eine weitere Grundstruktur finden wir in den Selbstlauten, den Vokalen wieder, wobei zwei „geheime“ Laute den fünf bekannten angefügt werden, und diese sich gleichweise mit der Siebenheit der Hauptchakren oder Kraftzentren unseres feinstofflichen Körpers decken:

I – steht in Resonanz mit dem Scheitel und Kopfbereich
E – mit dem Halsbereich
O – dem Herzbereich
U – der Bauchgegend (Solarplexus)
A – den Lungen und der oberen Brustgegend nähe dem Thymus
M – den Geschlechtsteilen
S – der Steissbeingegend

Dr. Krumm-Heller beschreibt: „ein tägliches Vokalisieren dieser 7 Vokale über den Zeitraum von einer Stunde schenkt dem Übenden mehr Weisheit und Wissen als wenn er tausend Bücher lesen würde.“


Die Abhandlung ihrer Wirkung bei Ausübung beständigen Vokalisierens ist wie folgt:

I – Belebung der Gehirnregion und Sekretion der Zirbeldrüse, Hirnanhangsdrüse, etc.
                   Entwicklung des Inneren Sinnes der Hellsichtigkeit

E – Belebung der Halsregion und der Iod produzierenden Schilddrüse, welche in intimer Wechselwirkung
                  mit der Geschlechtsreife und der Hormonsekretion steht (deswegen „Stimmbruch“)
                  Entwicklung des Inneren Sinnes der Hellhörigkeit

O – Belebung der Herzregion, Ausgleichende Wirkung bei starkem Intellektualismus,
                  Entwicklung der Fähigkeit wahren Mitgefühls, Entwicklung der Intuition

U – Belebung der gesamten Verdauungsorgane, des Stoffwechsels und des gesamten Nervensystems,
                  Heilung bei Bauchschmerzen, Menstruationsschmerzen, etc. - Entwicklung der Kraft der Telepathie

A – Belebung der Lungen, Atemvolumen und somit des gesamten Blutkreislaufs durch
                  Sauerstoffversorgung des Blutes, Belebung der Thymusdrüse (normalerweise degeneriert diese mit der
                  Geschlechtsreife), Stärkung des Vitalkörpers und zellverjüngende Wirkung;
                  Entwicklung der Erinnerung an vergangen Existenzen.

M – Belebung des Uterus und der Prostata, Vorbeugung von Geschlechtskrankheiten und Impotenz,
                  Element Wasser

S – Belebung des Basis-Chakra, Element Erde; nach oben hin Vitalisierung der gesamten Wirbelsäule,
                  vibriert gleichzeitig auch in der Zirbeldrüse, Belebung der Zirbeldrüse verursacht Entwicklung der
                  Polyvidenz oder Allsichtigkeit, einer höheren Form der Hellsichtigkeit dessen Visionen frei von
                  Subjektivität oder vom Ego sind.


Ein weiterer wunderbarer Vokal, der mehr einer Silbe gleicht ist der Laut CH. Dieses CH vibriert in der Lebergegend und bringt auf zauberhafte Art und Weise die innere Konstitution der Leber zum Schwingen, was nicht nur für die Verdauung und den Stoffwechsel sich positiv auswirkt, sondern für den Hermetiker viel interessanter eine Aktivierung des Astralen Vehikels unserer Selbst verursacht. Diese Aktivierung wirkt vor allem darauf, dass beim Einschlafen und Heraustreten aus unserem physischen Körper wir mit dem Licht des Bewusstseins so versorgt werden, dass wir sogenannte „Luzide Träume“ voll von hoher Symbolik und Nachrichten unseres Göttlichen Seins erleben dürfen, genauso wie in weiterer Folge „bewusste Astralreisen“ eintreten, die der wissenschaftliche Esoteriker praktisch für seine Forschungen in den inneren Welten der Natur, in den höheren Dimensionen des Kosmos verwenden kann. Eine sogenannte „bewusste Astralreise“ tritt dann ein, wenn man nicht nur lichtvolle Traumbilder erlebt, sondern sich auch eben darüber hinaus noch voll bewusst darüber ist, dass man sich innerhalb der Traumwelt, in dieser oder jener Dimension der Natur befindet UND sich willentlich und frei bewegen kann.


Mantren in Verbindung mit den Grundvokalen:

CHIS-CHES-CHOS-CHUS-CHAS : aktiviert verstärkt die astralen Aspekte unseres Selbst
E-CH-I-PT-O – Mantra zu Entwicklung aller Zentren die für bewusste Astralreisen notwendig sind

FARAON – Mantra für bewusste Astralreisen, imaginativ in Verbindung mit Pyramiden und der Position des Chac-Mool Mexicos, also Füsse angezogen, Knie zeigen Richtung Himmel und Hände auf dem Solarplexus liegend.

Weiters: IN-EN-ON-UN-AN, der Konsonant N zieht die Energien nach oben hin und vibriert in den Stirnhöhlen, wirkt befreiend bei Schnupfen und Kopfschmerzen, generell den Effekt einer Potenzierung der Vokale ähnlich einem Gong oder einer Kirchturmglocke.


Atemtechnik in Verbindung mit Mantra zu Transmutation der Schöperischen Kräfte:

HAM SAH – durch langes Einatmen (mental HAM) und kurzes stossartiges Ausatmen (laut SAH) verursachen wir in unserem Inneren Energiehaushalt eine Zentripetale Wirkung, die Energien werden also umgekehrt und nach innen und oben geleitet und verursachen eine Neugeburt im Inneren, eine gesamte Revitalisierung des Organismus und die Produktion von zellverjüngenden Lisosomen sowie das Entleeren und Verwandeln der Samenflüssigkeit in spirituelle Kraft, welche positiv alle Chakren belebt und die Inneren Sinne erweckt und dem Manne die nächtlichen Pollutionen, also das Entgehen von Millionen von sonnenhaften Samen, erspart.


4

 Wie in den verschiedenen Beispielen angeführt können wir den Mantren drei gnostische Grundzwecke zuordnen:

1.     Zur Aktivierung der gesamten Kräfte unseres Selbst zur Gesund- und Heilwerdung sowie zur Verwandlung der groben in feine Stoffe, die sogenannte Transmutation.
2.     Zur Aktivierung des Bewusstseins in Verbindung mit Meditationstechniken, als Mittel zur Erkenntnis bzw. als Werkzeug um mit verschiedenen Aspekten der Göttlichkeit, des Seins, sich zu verbinden.
3.     Zur Aktivierung unseres Bewusstseins um in den höheren Welten bewusst und selbständig zu forschen und am Einweihungsweg teilzunehmen.

Auch wenn wir diese drei Punkte getrennt aufgezählt haben sind sie alle Teil eines grossen Ganzen, nämlich dem Weg des spirituell praktischen Menschens, der sein Bewusstsein aus dem Schlafzustand aufweckt und so in allen Dimensionen der Natur erwacht. Wer erwacht der erkennt. Wer die Mysterien und Geheimnisse der Welt, des gesamten Kosmos im Inneren wie im Äusseren mehr und mehr erkennt, der wird unabhängig von jedweden blinden Glauben oder Mutmaßungen da er eben weiss. Dieses Wissen ist direktes, erfahrenes Wissen und wurde seit jeher mit dem Namen Gnosis beschrieben, einem Wissen höherer Art, einer göttlichen Weisheit.






"Viel Freude beim Üben."



AUM AUM AUM

Samstag, 26. Februar 2011

DIE HERMETISCHE PHILOSOPHIE


Auch wenn der Begriff Philosophie aus dem Griechischen stammt, haben doch alle Urvölker der Welt dieses ganzheitliche Verständnis der Schöpfung und ihrer Gesetzmässigkeiten fortschrittlich studiert und experimentiert. Philosophie selbst bedeutet zu Hinterfragen um Orientierung zur Erfoschung der jeweiligen Angelegenheit zu bekommen und dadurch zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Vom rein rationalen Standpunkt aus kann jeder Mensch, der geschult wurde sein Gehirn zu benutzen auch Philosoph sein, solange er seine Wahrnehmungsfähigkeiten beständig kultiviert und weiterentwickelt. Weiter ausholend erinnern wir auch an die Bedeutung des Wortes Philosophie als Liebe zur Weisheit, oder mehr noch innerhalb der persischen und aramäischen Gnostiker als Liebe zur Seele selbst. Die wahre Philosophie ist ein ganzheitliches Wissen über die Mysterien des Lebens, welche alle Wissenschaften, Künste und mystischen Traditionen miteinschliesst, ohne jedoch dabei auf das demonstrative Argument zu vergessen, ohne sektiererisch oder in trennender bekehrungseifriger Haltung zu agieren.

Der Begriff hermetisch bezieht sich auf ein Wissen, welches von Hermes stammt, jenem Hermes, der den Gott Merkur symbolisiert, den Gesandten des Solaren Logos. In Ägypten kannte man einen Eingeweihten mit Namen Hermes Trismegistos, der die ersten Prinzipien der hermetischen Philosophie der Neuzeit beschrieb. Da sich diese Gesetze der Sphäre der rationellen Logik entziehen, lehrte Hermes diese Weisheiten nur innerhalb der Mysterienschulen bzw. anderen sogenannten Eingeweihten. Deshalb ist heutzutage der Begriff Hermetik oder hermetisch gleichzusetzen mit dem der wahren Esoterik oder esoterisch – also ein Wissen, das nur einer ausgewählten Menge zugänglich ist. Die Hermetische Philosophie ist universell und identifiziert sich mit keiner der verschiedenen metaphysischen, religiösen oder wissenschaftlichen Strömungen im Speziellen.

Die Methodik der Hermetischen Philosophie ist hauptsächlich von intuitiver-experimenteller Natur ohne dabei die logischen Prozesse auszuschliessen. Sie legt besonderen Nachdruck auf die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Suche im eigenen Inneren, um dort das ganzheitliche göttliche Wesen zu entdecken – das hehre Sein der Philosophie.

Gemäss den Entdeckungen der Hermetischen Philosophie manifestiert sich die Wahrheit, die Wirklichkeit, innerhalb von sieben grundlegenden Prinzipien:

Das erste Prinzip ist jenes des universellen Geistes, es ist das Prinzip der Geistigkeit - “Alles ist Geist, das All ist Geist, das Universum ist geistig.” Hier kommt man zur Erkenntnis, dass Materie und Energie nichts anderes als unterschiedliche Verdichtungen von demselben All-Einen darstellen. Ein Prinzip das mittlerweile von der Atomphysik bzw. der Quantenphysik unterstützt wird.

Im zweiten Prinzip finden wir die Gesetzmässigkeit der Analogien oder Entsprechungen. “Wie oben, so unten, wie unten so oben.” Wenn wir das Bekannte studieren, entdecken wir das Unbekannte. Ein Prinzip, welches in jeder Weisheitslehre integriert wurde: z.B. bei den gnostischen Freimaurern verwendete man diese Gesetze der Konstruktion um die Erbauung des inneren Tempels zu symbolisieren, in gleicher Weise wie man die Konstruktion des inneren Tempels in der äusseren Architektur vorfand.

Polarität ist das dritte Prinzip. „Alles ist zweifach, alles hat zwei Polaritäten; alles hat seine zwei Gegensätze; Gleich und Ungleich ist dasselbe. Gegensätze sind ihrer Natur nach identisch, nur in ihrer Ausprägung verschieden; Extreme begegnen einander; alle Wahrheiten sind nur Halb-Wahrheiten; alle Paradoxa können in Übereinstimmung gebracht werden.“ Die Relativität der Schöpfung wurde schon vor Urzeiten von den Philosophen erkannt und deswegen vermieden sie jedwede Ausformung von Dogmen. Polarisiert zu sein bedeutet nur eine Seite des Phänomens zu erkennen. Die Gesamtheit zu sehen bzw. zu erkennen bedeutet dieses Prinzip zu beherrschen.

Das vierte Prinzip der Wahrheit spricht von der Vibration oder Schwingung. „Nichts ruht; alles ist in Bewegung; alles schwingt.“ Nichts befindet sich im Stillstand innerhalb der gesamten Schöpfung, vom Himmel bis zur Hölle existieren nur verschiedene Verdichtungen dieser Schwingungen, welche sich je nach Affinität mit unserer eigenen inneren Schwingung annähern oder abstossen. Aus diesem Grund sucht der gnostische Freimaurer die Entwicklung der maximalen sublimen Schwingung anhand des praktizierten selbstlosen Mitgefühls.

Der Rhythmus als fünftes Postulat verweist auf folgendes: Alles fließt – aus und ein; alles hat seine Gezeiten; alles hebt sich und fällt, der Schwung des Pendels äußert sich in allem; der Ausschlag des Pendels nach rechts ist das Maß für den Ausschlag nach links; Rhythmus gleicht aus.“ Der Rhythmus bringt die gegensätzlichen Polaritäten in einem bestimmten Raum und zu vorgegebener Zeit hervor. Nichts kann diesem ewigen Rhythmus entkommen. Nur jemand der lernt denselben Rhythmus zur Neutralisierung der Gegensätze zu verwenden, indem er sich in einem permanenten Zentrum des Bewusstseins befindet, transzendiert diese Gesetzmässigkeit.

Das sechste Prinzip der Kausalität ist bereits populär, es ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. „Jede Ursache hat ihre Wirkung; jedes Phänomen hat seine Ursache; alles geschieht gesetzmäßig; Zufall ist nur ein Begriff für ein unerkanntes Gesetz; es gibt viele Ebenen von Ursachen, aber nichts entgeht dem Gesetz.“ Dieses Postulat ist viel exakter als das neuzeitlich beworbene Prinzip der Attraktion oder Anziehung, indem nur die mentale Ebene der Gedanken berücksichtigt wird. Im Gesetz von Ursache und Wirkung weiss man, dass der Zufall als solcher nicht existiert und dass jede Handlung, Gedanke, Emotion oder Absicht uns direkt mit seiner Auswirkung verbindet. Zweifellos muss es eine Beziehung zwischen allen menschlichen Funktionen geben, nicht nur auf rein gedanklicher Ebene.

Das siebte und letzte grundlegende Prinzip der Wahrheit ist als das Schöpferische Prinzip bzw. das des Geschlechts bekannt: „Zeugung und Geschlecht existiert in allem; alles trägt sein männliches und sein weibliches Prinzip in sich; Geschlecht und Zeugung offenbart sich auf allen Ebenen.“ Wir stellen fest, dass hier das Gesetz der Drei (Dreifaltigkeit) bzw. jenes des tantrischen Wissens beinhaltet ist, dessen kostbarste Lehre der Schlüssel zur Schöpfung und Neugeburt der verlorenen Menschheit ist.

Diese sieben Prinzipien des All-Einen sind unveränderbar, und die Unwissenheit oder Ignoranz ihnen gegenüber stellt einen schwerwiegenden Fehler innerhalb der verschiedenen Systeme esoterischer Lehren dar. Wenn wir die Erbauung und Konstruktion unseres inneren Tempels suchen, so müssen wir bei einem Studium der grundlegenden Gesetzmässigkeiten der Konstruktion des Universums beginnen, um sie dann in unser praktisches tägliches Leben zu integrieren.

Quellen: Der Kybalion
Autorschaft: Drei Eingeweihte

Samstag, 18. Dezember 2010

Christus Universalis

von Ludwig Pichler


Die innere Sehnsucht nach Wahrheit und Verständnis treibt uns beständig voran. So angetrieben und inspiriert stossen wir immer mehr auf die wackeligen Kartenhäuser orthodoxer Dogmatismen, die nur darauf warten mit der Puste der inneren Unterscheidungskraft umgeblasen zu werden, um so durch die Weisheit des Freien Geistes jene universelle Wahrheit ans Licht zu bringen, nach der sich diese unsere mitbrüderliche Menschheit so sehr sehnt und lechzt. Wir sehen an allen Ecken des Erdballs grosse Konflikte aufkommen durch das Fehlen an Einsicht und Verständnis der Wirkung und des Ursprungs der göttlichen Prinzipien im Kosmos und innerhalb von uns. Ist nun Allah grösser als Christus? Oder war Petrus ein getreuerer Prophet als Mohammed?



Wer die Universalität der Intelligenten Prinzipien der Natur erkennt, benötigt auf diese Fragen keine Antworten mehr – er würde vielmehr sagen: Allah ist Christus. Christus ist die Sonne. Die Sonne ist Allah. Allah ist in mir und Christus vereint alles. Du und ich, wir sind nicht getrennt voneinander, noch wärmen mich die Strahlen meiner Religion mehr als dich die der Deinen.

Und so studieren wir also den mystischen Christus, der genauso auch mystische Feuersonne oder mystischer Krishna heissen könnte, wir versuchen unseren Horizont so zu erweitern, bis dass wir einen objektiven Über-Blick erreicht haben, stets in der festen Überzeugung, dass ALLES einen gemeinsamen Ursprung hat, entsprungen von EINER höchsten Intelligenz, die eben für unser jetziges Da-Sein verantwortlich ist. Wir nähern uns diesem objektiven Blickwinkel in einem vergleichendem Esoterismus, einem tief ins innere Blicken der mystischen Traditionen und Kulturen weltweit.



Viele gute esoterische Autoren zeigten bereits auf, dass die Geschichte um Christus mehr als nur eine One-Man Show war, und Jesus mehr als nur eine rein historische Person. Der gnostische Esoterismus spricht von einem Christentum als von etwas weit transzendentalerem als das blinde agieren einer Schar von Lemmingen. Er lehrt von einen Kosmischen Christus, einem zyklisch-kosmischen Spektakel im grossen Kosmos mit der Fähigkeit zur Imitation und Nachfolge im kleinen Mikrokosmos Mensch – von der Möglichkeit, durch bewusste Anstrengung den Sonnenchristus in unserem Inneren gebären und erleuchten zu lassen, der Krönung des Christus Intimus und sogar von der Verwandlung in die Sonne selbst. Alles Mysterien die entdeckbar und vor allem erlebbar sind innerhalb des Einweihungsweges der intimen Selbstverwirklichung des Seins.

Die geschätzte Autorin Annie Besant schreibt dazu: „Der Sonnenmythos ist also eine Geschichte, die zunächst die Wirksamkeit des Logos oder „Wortes“ in dem Kosmos, in zweiter Linie das Leben einer Inkarnation des Logos, oder eines Seiner Gesandten darstellt. Der Held der Mythe wird gewöhnlich als ein Gott oder ein Halbgott geschildert, und muss für sein Leben dem Lauf der Sonne, als Schatten des Logos, als Umriss dienen. Der Teil des Umlaufs, der in dem Erdenleben zurückgelegt wird, ist der, welcher zwischen die Wintersonnenwende und die Erreichung des Zeniths im Sommer fällt. Der Held wird zur Wintersonnenwende geboren; er stirbt zur Frühlings-Tag- und Nachtgleiche und den Tod überwindend, steigt er auf zum mittleren Himmel.

Es wird immer zur Wintersonnenwende geboren, nach dem kürzesten Tage des Jahres, zur Mitternachtsstunde des 24. Dezembers, wenn das Zeichen der Jungfrau über dem Horizont emporsteigt; so wie er beim Emporsteigen dieses Zeichens geboren wird, so wird er auch immer von einer Jungfrau geboren, die nach der Geburt des Sonnenkindes noch Jungfrau ist, so wie die himmlische Virgo unverändert und unbefleckt bleibt, wenn die Sonne am Himmel aus ihr hervorgeht. Er ist schwach und zart, wie ein kleines Kind, und wird geboren, wenn die Tage am kürzesten und die Nächte am längsten sind  - wir befinden uns nördlich von dem Äquator - , ist während seiner Kindheit von Gefahren umgeben, und die Herrschaft der Finsternis dauert weit länger als seine eigene, während seiner frühesten Jugend. Aber er übersteht alle die drohenden Gefahren, und die Dauer des Tages nimmt immer mehr zu, je näher die Frühlings-Tag- und Nachtgleiche heranrückt, bis die Zeit kommt, wo die Sonne den ganzen Himmelsdom kreuzt, die Kreuzigung, deren Datum sich mit jedem Jahr ändert. Danach folgt seine triumphierende Auferstehung und seine Himmelfahrt, er lässt das Korn und die Trauben reifen und flößt ihnen sein eigenes Leben ein, um ihnen Substanz zu verleihen, und durch sie den Seinen. Der Gott, welcher beim Anbruch des 25. Dezembers geboren wird, wird bei jeder Frühlings-Tag- und Nachtgleiche gekreuzigt und gibt immer sein Leben den Seinen als Nahrung – dies die hervortretenden Kennzeichen des Sonnengottes.

Diese Ereignisse sind in den Lebensgeschichten der verschiedenen Sonnen-Götter wiedergegeben, und im Altertum finden wir eine Menge darauf bezügliche Bilder. Die ägyptische Isis war ebenso wie Maria zu Bethlehem unsere unbefleckte Frau, der Stern des Meeres {Stella Maris}, die Himmelskönigin, die Mutter Gottes. Wir erblicken sie auf Bildern auf dem Halbmond stehend und mit der Sternenkrone; oder sie hält ihr Kind Horus auf den Knien, und auf der Rückseite des Stuhles, auf dem er auf seiner Mutter Schoß sitzt, sieht man ein Kreuz. Die Virgo des Tierkreises wird auf alten Zeichnungen dargestellt als ein Weib, welches ein Kind säugt – das Vorbild aller späteren Madonnen mit ihrem göttlichen Kinde; man ersieht heraus, woher das Symbol stammt. Auch Devaki wird mit dem göttlichen Krishna in ihren Armen dargestellt, ebenso die Mylitta oder Istar der Babylonier mit der Sternenkrone und mit dem Kind Tammuz auf den Knien. Merkur und Äskulap, Bacchus und Herkules, Perseus und die Dioskuren, Mithra und Zarathustra, alle waren göttlicher und menschlicher Herkunft.

Auch der Zusammenhang der Wintersonnenwende mit Jesu ist bedeutsam. Die Geburt des Mithra wurde zur Wintersonnenwende mit großem Jubel gefeiert, und auch Horus wurde zu der Zeit geboren.

Wenden wir uns zu Buddha, so sehen wir, wie eine Mythe sich mit einer historischen Persönlichkeit verknüpft. Seine Lebensgeschichte ist wohl bekannt, und in den geläufigen indischen Berichten ist die Geburtsgeschichte einfach und menschlich. Doch in dem chinesischen Bericht wird er von einer Jungfrau geboren, Mayadevi, und die alte Mythe findet in Ihm einen neuen Helden.

Williamson sagt uns auch, dass auf den Hügeln der keltischen Volksstämme am 25. Dezember Feuer angezündet wurden und noch werden, und bei den irischen und schottischen Hochlandsbewohnern sind diese noch unter dem Namen Bheil oder Baaltinne bekannt, so dass also die Feuer den Namen des Bel, Bal oder Baal tragen, ihrer alten Gottheit, des Sonnen-Gottes, wenn sie auch jetzt Christo zu Ehren angezündet werden. (Ebenda, pp. 36. 37.)

In den Pseudo-Mysterien wurde die Geschichte des Sonnengottes dramatisch behandelt, doch in den alten Mysterien wurde sie von dem Initiierten selbst durchlebt. Daher rührt es, dass die Sonnen-„Mythen“ mit den großen Geheimnissen der Initiation verwoben wurden.

Diese Sonnenmythen, die sich im Lauf der Jahrhunderte immer wiederholen, bei jeder Wiederaufnahme mit einem anderen Namen für ihre Helden, müssen dem Forscher auffallen, obgleich sie natürlicher Weise mit Recht von dem Strenggläubigen unbeachtet bleiben; und wenn sie als Waffe gehandhabt werden, um die majestätische Gestalt Christi zu schädigen oder zu vernichten, muss man ihnen nicht durch Leugnung der Tatsachen entgegentreten, sondern durch Verständnis für die tiefere Bedeutung der Geschichten, für die geistigen Wahrheiten, welche durch die Legenden in verhüllter Weise dargestellt werden.“(Annie Besant – „Esoterisches Christentum“)




Dem ist also nicht mehr viel hinzuzufügen. Sich den Mysterien des Kosmischen Christus Universalis zu nähern, bedeutet sich seinem Christus Intimus zu nähern. Ein Anwenden der revolutionären und universellen gnostischen Techniken zum Erwecken des Bewusstseins, angetrieben durch die Liebe zu unserem inneren wahren Sein, ergibt die Geburt der Inneren Christussonne. Als Kind im unreinen Stall voller psychologischer Tiere geboren, wächst und gedeiht es, gestärkt durch die Brust der heiligen Mutter, zum erwachsenen Sonnenhelden heran. Bis schliesslich am Höhepunkt des Schauspiels das Göttliche sich vermenschlicht - der Mensch sich vergöttlicht und ein neuer authentischer Menschensohn die Welt mit seiner Nächstenliebe und Weisheit lehrt.  

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